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ſich zu bewahren im Stande iſt. Man kann mit der größten Billigkeit, ſagt Niemeier, die Menſchen und die Dinge um ſich her beurtheilen, kann für das vorhandene Gute den offeuſten Sinn in ſich bewahren, und doch mit ganzer Seele an dem Bilde und an der Hoffnung des Voll⸗ kommenen hängen, das die Zukunft herbeiführen wird.
Wir würden hier ſolche Lehrgegenſtände, die beſonderen Einfluß auf die Denkweiſe und die Charakterfeſtigkeit üben, zur näheren Be⸗ trachtung wählen, wenn wir nicht dadurch die Gränze dieſer Abhand⸗ lung zu überſchreiten fürchteten.
So ſchließt ſich denn, wie wir geſehen, die Schule an den Haupt⸗ factor der Charakterbildung, an das Haus, an. Sie ergänzt und voll⸗ endet, wozu das Haus den Grund legt. Die durch Gewöhnung er⸗ zeugte gute Handlungsweiſe erſtarkt durch die Schule, durch Lehre und Verſtandesbildung zur freien, klarbewußten That. Würde die häus⸗ liche Erziehung dieſes Hauptfactors der Erziehung, der Schulerziehung, entbehren, ſo würden Menſchen erzogen werden, die wohl das Gute aus Gewohnheit, aber nicht aus voller Ueberzeugung mit Klarheit und Einſicht vollführten, die nicht im Stande wären, den mächtigen Ein⸗ flüſſen des Irrthums und des Wahnes der Mitwelt energiſchen Wider⸗ ſtand zu leiſten, und die endlich ihre Kraft, wäre ſie noch ſo entwickelt, nicht mit der entſprechenden, vernünftigen Conſequenz auf würdige Ziele richten würden. Die entwickelten Kräfte finden erſt Werth und Be⸗ deutung in der wahren, würdigen Verwendung und Richtung derſelben.
Wie nun die häusliche Erziehung nichts Ganzes bildet und der Schule zur Weiterführung des Kindes bedarf, ſo bleibt auch umgekehrt das Wirken der Schule ohne den bildenden Einfluß des Hauſes ein Stückwerk; denn es fehlt dann die Stätte für die gemüthliche und ſittliche Ausbildung, es fehlt dann das eigentliche Fundament, worauf die Schule ihren Bau ſtützen und vollenden kann.
Schließlich iſt noch des dritten erziehlichen Faktors der Charak⸗ terbildung, des Lebens mit ſeinen Einflüſſen zu erwähnen.
Mit dem Austritte aus der Schule und dem Eintritte in das große Leben, in den nähern Verkehr der Welt, ändert ſich das Er⸗


