— 24—
Das erſte Ideal übt einen großen Einfluß auf die Charakter⸗ entwickelung, denn die tiefſten Eindrücke gehen von Beiſpiel und Vorbild aus. Religiöſer, wahrhaft gottesfürchtiger Sinn des Lehrers ruft gleiche Geſinnung bei dem Kinde hervor. Ordnungsliebe, Gewiſſen⸗ haftigkeit, Gerechtigkeit des Lehrers, verbunden mit einer gewiſſen Nach⸗ ſicht, können nicht ohne Wirkung auf das Kind bleiben. Die Willens⸗ ſtärke, die unermüdliche Geduld, der keine Schwierigkeit in der Schule unüberwindbar erſcheint, muß ähnliche Eigenſchaften bei dem Kinde hervorrufen. Und endlich die reine Liebe des Lehrers zum Berufe! Man kann nur das ernſtlich wollen, woran man Wohlgefallen findet. Wohlgefallen an dem Berufe, an dem kräftigen Wirken beſtrebt ſich, gleiches Wohlgefallen, gleiche Liebe zur Sache einzuflößen. Ja, es ge⸗ lingt nur demjenigen, wie ſchon erwähnt, Liebe zur Arbeit, was allein ein unfehlbarer Sporn zu allem kräftigen Wollen iſt, bei dem Kinde zu begründen, der ſelbſt Luſt und Liebe zum thätigen Wirken und Schaffen hat, der Fröhlichkeit in ſeiner Arbcit zeigt.
Wenn das Kind ſpäter durch Entdeckung kleiner menſchlicher Schwächen, wovon kein Sterblicher frei iſt, vielleicht das Ideal nicht mehr in dem früheren Grade auf ſich wirken läßt; ſo iſt das eine natürliche Folge der Entwickelung, der Vervollkommnung, die das Vollkommenſte ſich als Ideal ihres Strebens ſetzt, wie ja dem ver⸗ edelten Menſchen Gott in ſeiner Güte und Gerechtigkeit ꝛc. ꝛc. das höchſte Ideal ſeines Strebens ſein ſoll. ¹)
Die Schule verſäumt nicht, nachdem das Kind eine gewiſſe Stufe der Kraftentwickelung erreicht hat, Ideale aus der Vergangenheit leb⸗ haft vor des Kindes Seele zu führen und ſein Streben nach jenen Idealen zu lenken. Die kräftigen Charaktere werden dem Schüler als nachzuahmende und zu erſtrebende gezeigt. Durch die aus der Ver⸗ gangenheit geſchöpfte Wahrheit, daß das Gute doch immer mehr und mehr zum Siege gelangt, daß der Nebel des Wahnes vor der Sonne der Wahrheit mehr und mehr ſchwinden muß, gelangt der Schüler zu der feſten Ueberzeugung von der Erreichbarkeit des für die Menſchheit geſteckten Zieles, und dieſes Bewußtſein gibt ihm den Muth, für die gefaßten Ideen in den Kampf zu treten und die Hoffnung, den Sieg zu erringen. Iſt einmal die Sonne der Begeiſterung für die vor des
1) Dd 14. b.


