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gebt nur den Zögling mit dem Guten und Edlen, damit es ihm wie dem Bergbewohner unerträglich werde, in der erſtickenden Ausdünſtung der Niederungen auszudauern; er wird die reine Atmoſphäre ohne euer Zuthun ſuchen.“ ⁴¹)
Ohne unſer Zuthun muß doch endlich das Kind das Gute wäh⸗ len und das Böſe verabſcheuen. Soll der Jüngling nicht bloß aus Gewohnheit das Gute üben, ſondern aus freiem Entſchluſſe wählen, was eine Einſicht vorausſetzt; ſoll er im Stande ſein nach Grund⸗ ſätzen zu handeln: ſo muß nothwendigerweiſe des Jünglings Geiſt mit Klarheit die Geſetze der Natur und des Menſchen erkennen. Wahr⸗ hafte Erkenntniß der Geſetze, der Pflichten, führt zur kräftigen That, ſchützt gegen falſche auf Täuſchung beruhende Urtheile.— Es tritt uns hier der zweite Factor der Charakterbildung, die Schule, zur Betrachtung entgegen.
Mit welchen Mitteln erſtrebt die Schule das der Erziehung ge⸗ ſteckte Ziel, die Charakterfeſtigkeit? Beſteht ihre Aufgabe nur darin, des Kindes Geiſt harmoniſch auszubilden, es mit den erforderlichen Kenntniſſen auszuſtatten, es mit allen Pflichten, die es als Menſch, Bürger und Jude einſt zu üben hat, bekannt zu machen und dafür zu begeiſtern, oder find der Schule, gleich dem Hauſe, auch Mittel ge⸗ boten, direkt auf die Thatkraft zu influiren?
Man verkennt oft die hohe Bedeutung, den eingreifenden Ein⸗ fluß der Schule in Betreff der Charakterbildung; man möchte dieſen Einfluß nur den ſogenannten Erziehungsanſtalten zuerkennen und die Unterrichtsanſtalten zu Lernſchulen ſtempeln. Man glaubt von man⸗ cher Seite, weil die ſog. Erziehungsanſtalten mehr Zeit und Muße dem Aeußeren, den Regeln der Convenienz zuwenden, ſie allein Er⸗ ziehungsanſtalten, in der buchſtäblichen Bedeutung des Wortes, mit Recht genannt werden könnten. Nie und nimmer kann aber einer Erziehungsanſtalt nur der Pflege des äußern Anſtands wegen ihr Prä⸗ dikat zuerkannt werden. Der denkende Schulmann weiß, daß der äußere Anſtand nur dann Werth hat, wenn er ein Produkt ſittlicher
¹) Niemeier.


