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die Eltern ſich der frohen Hoffnung hingeben, einen ſittlich ſtarken, charakterfeſten Jüngling zu erziehen, wenn ſie das Kind verweichlichen, es für jeden äußern Einfluß empfindlich machen; wenn ſie nicht die Kraft in dem Kinde hervorrufen, Entbehrungen, und wären ſie noch ſo gering, ſchon frühe zu ertragen? Man möge nie vergeſſen, daß der leiblich Geſchwächte, der Weichling, am wenigſten den ſinnlichen Reizen zu widerſtehen vermag.
Was wir unter Abhärtung und Entbehrung verſtehen? Nicht Abſtumpfung, nicht Tödtung der Sinnlichkeit, ſondern Gewöhnung der ſinnlichen Kräfte und Triebe in den Dienſt der Vernunft und des Sittengeſetzes, oder ſo lange dem Kinde die ſelbſtſtändige Einſicht fehlt Unterwerfung ſeiner Neigungen unter den intellektuell überlegenen Willen des Erziehers.
Schon frühe verſuche man den Ernährungstrieb des Kindes zu mäßigen und Leckerbiſſen fern zu halten. In ſpäteren Jahren gebiete der Erzieher nicht abſolut Entſagung. Soll der Knabe oder das Mädchen einen Beweis ſeiner Entſagung liefern, ſollen ſie z. B. eine Mahlzeit für einen Armen opfern, ſo appellire man an den Muth des Knaben und an das Mitgefühl des Mädchens, und ſie werden ſich frei zur That entſchließen, wodurch ſie ſich ihrer Kraft bewußt und die reinſte Freude empfinden werden, die das Kind fähig macht, zu einer andern Zeit auch dem Genuſſe zu entſagen, der die Geſundheit benachtheiligt und dem Sittengeſetze zuwiderläuft.
Keine Erziehung bietet ſo herrliche Gelegenheiten, die Kinder zu Entbehrungen zu gewöhnen, wie die jüdiſche; keine Erziehung iſt ſo verpflichtet, den Kindern ſchon frühe Entſagungen aufzuerlegen, wie die wahrhaft jüdiſche. Das Kind muß ſich bemeiſtern, muß Halt machen, wenn es im Begriffe iſt, das Stückchen Brod oder das wohlſchmeckende Obſt zum Munde zu führen, um zuerſt den Segensſpruch dem Geber alles Guten dafür herzulallen. Das jüdiſche Kind muß ſich ſchon frühe an den Gedanken gewöhnen, nicht jede Speiſe genießen zu dürfen; es muß auf gewiſſe liebgewonnene Spiele am Sabbath verzichten u. ſ. w.
Aber nicht ſelten wird in unſerer modernen Erziehung das Kind für eine Entſagung tauſendfach entſchädigt. Man glaubt oft dem Kinde eine große Wohlthat zu erweiſen, wenn man die Leckerbiſſen in ihrer Mannigfaltigkeit vor ihm Parade machen läßt und das Recht gewährt,


