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wahrhaften Gehorſam, zu einem thatkräftigen Charakter zu erziehen. Die Gewöhnung zum Gehorſam darf nicht zum abſoluten Zwang, zum ungerechten Eingriffe in die Freiheit ausarten, wodurch das Kind zu Trotz und Heuchelei erzogen wird. Die Werthſchätzung, die Heilig⸗ haltung des elterlichen Wortes ſeitens der Kinder hängt von den Schranken ab, die ſich die Eltern im Befehlen und in ihren Anfor⸗ derungen ziehen.„Haben wir keine Freude am Ge⸗ nnd Verbieten, ſondern am kindlichen Freihandeln. Verbieten wir ſeltener durch die That, als durch das Wort; reißen wir dem Kinde das Meſſer nicht weg, ſondern laſſen wir es ſelbſt auf's Wort es weglegen; im erſten Falle folgt es dem Drucke fremder Kraft, im zweiten dem Zuge eigener ¹).
Dem Erzieher, der es verſteht, ſo ſchwierig es auch iſt, ſich ſo— viel als möglich das Kindesalter zu vergegenwärtigen, ſich in die kind⸗ liche Denkweiſe zu verſetzen, wird es leicht ſein, dem Kinde Schranken zu ziehen, ohne deſſen Freiheit im Handeln zu beeinträchtigen. Er wird dem Unternehmenden, das ſich im Handeln und Treiben des Kindes zeigt und als Merkmal einer werdenden Charakterfeſtigkeit zu betrachten iſt, keinen Damm entgegenſetzen; er wird vielmehr alles Unternehmende, ſo lange es nichts Gefährliches in ſich birgt, fördern, und wofern die phyſiſche Kraft des Kindes nicht ausreicht, erleichtern, um dadurch Luſt und Liebe zum Handeln zu erhalten, Muth und Selbſtvertrauen zu erzeugen. Man glaube nicht, daß die Charakterkeime ſich nur dann entwickeln, wenn der Knabe eifrig hinter den Büchern ſitzt; man glaube nicht, daß jede andere Beſchäftigung, jede Aufmerkſamkeit auf die um⸗ gebende Welt, jede freie Bewegung nutz⸗ und fruchtlos ſei. Des Kindes Geiſt wird durch eigenes Anſchauen, durch den eigenen Bildungsweg, den ſich jedes Kind aufſpürt, durch aufmerkſames Betrachten uns klein⸗ lich ſcheinender Gegenſtände mehr gekräftigt und geübt, als durch Lektüre.
Ein körperlich und geiſtig gekräftigtes und frühe zum Gehorſam gewöhntes Kind wird der Erzieher auch leicht zur körperlichen Abhär⸗ tung, zur Entſagung, kurz zur Unterwerfung der körperlichen Triebe unter ſeinen von der Vernunft geleiteten Willen zu erziehen im Stande ſein. Das Kind muß entbehren lernen, es muß ſich an abſchlägige Antwort gewöhnen, wenn ein Charakter aus ihm werden ſoll. Können
¹) Levana.


