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neue Gegenſtände die frühere Stimmung wieder hergeſtellt werden. Bleibt jedoch das Bemühen erfolglos, ſo überlaſſe man das Kind ſich ſelbſt. Schnell kehrt auch von ſelbſt oft die kindliche Heiterkeit wieder. Nur zeige man kein weichliches Bedauern, welches den Trübſinn noch vergrößert; noch weniger darf man es durch glänzende, werthvolle, zer⸗ brechliche Sachen, die man dem Kinde ſpäter verweigern müßte, zu beſchwichtigen ſuchen. Wie oft bleibt nicht gerade dieſes Letztere in der Erziehung unbeachtet! Man hält dem Kinde Gegenſtände vor, welche man, indem das Kind mit voller Freude dieſelben zu erhaſchen ſtrebt, neckiſch wegzieht, als ob man gleichſam Wohlgefallen an den verur⸗ ſachten unwilligen Aeußerungen des unbefriedigten Kindes hätte und bedenkt nicht dabei, daß dadurch Heftigkeit und Unzufriedenheit hervor⸗ gerufen werden, die des Kindes Seelenruhe ſtören und deſſen Kraft ſchwächen.
Niemals verweigere man dem Kinde Etwas, ſo lange ſein Ver⸗ langen auf Vernünftiges gerichtet iſt. Nur dann folge mit größter Entſchiedenheit abſchlägige Antwort, ein unwiderrufliches Nein, wenn die Befriedigung des Verlangens aus irgend einer Rückſicht nicht zu gewähren iſt. Nicht verſchwenderiſch ſeien wir im Verweigern, aber einmal Verbotenes ſei unwiderruflich).
Schon von den erſten Anfängen in der Erziehung des Kindes ſoll uns das zu erſtrebende hohe Ziel der vollendeten Erziehung, die Charakterfeſtigkeit, das freie Unterordnen unter Geſetz und Vernunft, klar vor Augen ſchweben. Man gewöhne daher ſchon frühe das Kind an Gehorſam; denn will man ernſtlich, daß der Jüngling dem höchſten Geſetzgeber gehorche, ſo ſorge man dafür, daß das Kind dem Erzieher ſich füge,„Gehorſam iſt die höchſte Tugend, die Cardinal⸗ Tugend des Kindes, aus welcher ſich die übrigen Tugenden leicht entwickeln ²).“
Nur durch vernünftige Conſequenz kann der Erzieher dieſe Car⸗ dinaltugend des Kindes, den Gehorſam, erzielen. Unerſchütterlich, wie die Naturnothwendigkeit, ſtehe das auf Vernunft baſirende Gebotene
¹) Ne soyez point prodigue en refus, mais ne les révoquez jamais. (Emile, livre II.) ²) Dieſterweg.


