Aufsatz 
Über den Einfluß der Erziehung auf Charakterbildung
Entstehung
Einzelbild herunterladen

wahrhafte Element, iſt der Boden, in welchem die junge Pflanze zur Entfaltung gelangt. Was Licht und Luft für die Pflanze, iſt der Frohſinn für das Kind! Dieſe Stimmung iſt das Reſultat und zu⸗ gleich die Bedingung der Kraftentwickelung.

Die Mutter ſei daher nicht zufrieden, wenn ihr Kind, ſchon das zweijährige Kind, mäuschenſtill und artig, welche Prädikate ſie ihm bei⸗ legen würde, neben ihr auf einem Stühlchen ſitzt. Es ſei ihr nicht gleichgültig, ob das Kind thätig ſei, d. h. ſpiele oder nicht. Das Be⸗ ſtreben, thätig zu ſein, iſt ſchon in dem Säuglinge, der anfangs ſein Köpfchen munter nach dem Lichte wendet und daſſelbe mit Vergnügen anblickt, ſpäter haſtig nach den ihn umgebenden Gegenſtänden greift, erwacht. Dieſem Beſtreben nach Thätigkeit muß Rechnung getragen werden. Das Kind fühlt Kraft in ſich, die es äußern möchte, es will thätig ſein. Wie zufrieden und glücklich iſt das Kind, wenn ſeine Sinne beſchäftigt ſind, wenn es etwas ſehen, hören oder greifen kann! Sind doch die meiſten Unarten des kleinen Kindes eine Folge der Lang⸗ weile. Das Geheimniß, das Zaubermittel, das Kind zufrieden und heiter zu machen, iſt gefunden, wenn die Mutter für angemeſſene Be⸗ ſchäftigung, für das Spiel des Kindes Sorge trägt. Ob die Spiel⸗ ſachen koſtbar ſind oder nicht, iſt für das Kind und für den Zweck gleichgülſtig. Wenn man nur für einen Gegenſtand geſorgt, woran die Kraft ſich üben und entwickeln kann, und wäre es der unvoll kommenſte Stoff, wäre es ein Sandhaufen, den Jean Paul als ein Univerſalſpielmittel für die erſten Jahre vorſchlägt, ſo hat man der Aufgabe genügt. Die Spielſachen ſind dem Kinde die liebſten, aus welchen es ſelbſt Etwas zu machen im Stande iſt, woran es freudig und froh ein Reſultat ſeiner Kraftäußerung wahrnehmen kann. Daß das Kind an ſeiner Kraftäußerung großes Vergnügen findet, ſehen wir an der Freude, die das Zertrümmern eines Spielzeugs bei ihm her⸗ vorruft..

Eine heitere Stimmung in dem kleinen Kinde zu fördern und das Verletzende und Trübende zu beſeitigen iſt oft ein leichtes Geſchäft für den Erzieher. Das Kind in dem frühen Lebensalter iſt ja ganz in des Erziehers Gewalt; es hat noch keine beſtimmten Neigungen, kein feſtes Widerſtreben. Verfinſtert ſich auch einmal der Horizont, trübt ſich der heitere Himmel des Kindes, ſo kann durch Hinlenkung auf