Aufsatz 
Zur französischen Schul-Grammatik / von Plattner
Entstehung
Einzelbild herunterladen

30

einzige männliche Wort iſt. Mag ſich auch die Beweiskraft einzelner dieſer Stellen beſtreiten laſſen, ſo iſt das Vorkommen von amours als masc. bei den beſten Autoren auch von den franzöſiſchen Gramma⸗ tikern zugegeben.

Lafaye will amours wie gens behandeln, d. h. vorausgehendes Adjectiv ſoll weiblich, nachfolgendes ſoll männlich ſein. Da tout wie bei gens behandelt werden müßte, ſo widerſpricht dieſer Anſicht nur das Beiſpiel mit certains amours.

114. Bekanntere Wörter, deren Geſchlecht von dem des lateiniſchen Wortes abweicht:

les mœurs f.(mores m.)

une obole(obolus m.)

un ongle(ungula f.)

un orchestre(ſprich ch= k; orchestra f.) la paroi(paries m.)

un arbre(arbor f.) les annales f.(annales m.) un art(ars f.)

la comète(cometes m.) la corne(cormu n.)

la dent(dens m.) le phare(pharus f.)

le dialecte(dialectus f.) la planète(planeta oder-es m.) le dimanche(dies dominica.) le porche(porticus f)

une écorce(cortex m.) le portique

le dôme(domus f.) la poudre(pulvis m.)

une épigramme(epigramma n.) le salut(salus f.)

un épi(spica f.) le sort(sors f.)

la fin(finis m.) le sphinx(sphinx f.)

la fleur(flos m.) e synode(synodus f.)

la mer(mare n.) les thermes m.(thermae f.)

Personne und chose ſtimmen als Subſtantive mit dem lateiniſchen Geſchlecht, aber ne... personne und quel- que chose ſind männlich: Vous me croyez peut-ètre légère; personne n'est si sérieuw que moi pour les choses sérieuses. (A. de Musset). So iſt auch rien(rem) männlich, während es früher noch weiblich vorkam: A la treés belle Saison que printemps on appelle, toute rien Se renouvelle.(Christine de Pisan.)

115. Eine Klaſſe für ſich bilden die lateiniſchen Neutra, welche im Franzöſiſchen Feminina ge⸗

4 4...1:,... worden ſind: uné arme(arma), la merveille(mirabilia). Zunächſt wurde im galliſchen Latein aus arma,orum ein Singular arma,-ae, und aus dieſem bildete ſich das franzöſiſche Femininum. So la dépouille(Spolium), la feuille(folium), l'huile(oleum), la joie(gaudium), la lèvre(labrum), la muraille(muralia), la poire(pirum), la pomme(pomum), la volaille(volatilia) u. a.

116. Ebenſo entſtand une œuvre aus opera(von opus). Doch iſt cuvre m. in folgenden Bedeutungen: 1. Sammlung aller Stiche eines Künſtlers. 2. Sammlung der Nachbildungen im Stich von allen Gemälden eines Meiſters. 3. Sammlung der Werke eines Componiſten. 4. Le gros œuyre das Mauerwerk bei einem Neubau. 5. Le grand œuyvre der Stein der Weiſen(la pierre philo- sophale). Keine dieſer Bedeutungen geſtattet einen Plural.

Auch orgue vom lat. organum war weiblich; ſpäter ſuchte man es männlich zu gebrauchen, er⸗ reichte dies aber nur für den Singular(wie bei amour).

Orge f. kommt von hordeum. Hier gelang die ſpäter verſuchte Ueberführung zum männlichen Geſchlechte nur für orge perlé, orge mondé, orge carré.

Der Plural les délices f. kommt von deliciae, der wenig übliche Singular le délice von delicium.

117. Eine Anzahl von Wörtern ändern in der Zuſammenſetzung das Geſchlecht: aise f. aber le malaise Uebelkeit; la feuille, aber le chévrefeuille Geisblatt; le midi, aber une(un findet ſich) après-midi; la nuit, aber minuit m.; la sphère, aber un hémisphère, le planisphère(beide von