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aus lauter Gnade und Barmhertzigkeit Gottes.“ In ähnlicher Weiſe, nur viel ausführlicher ſind alle übrigen einzelnen Verſe der evangeliſchen Berichte behandelt.
Die„allgemeine Vorbereitung und Einleitung“ iſt eine große Abhandlung, in welcher nach des Barons eigener Angabe,„von unterſchiedlichen Fragen und Umſtänden, ſowol die Evangeliſten überhaupt, als jeglichen insbeſondere, und ihre Harmonie betreffend; wie auch in⸗ ſonderheit von den Jahren Chriſti, von dem Zuſtande ſeiner Zeiten; von der Entwendung des Scepters von Juda, I B. Moſ. XLIX; und von den LXX Jahr⸗Wochen, Dan. IX ge⸗ handelt iſt.“ Dieſe Dinge, bei denen ſich, wie man ſieht, der Baron tief in die Theologie eingelaſſen haben muß, ſind wie der Hauptſtoff des ganzen Buchs„aus einer Menge der beſten und gelehrteſten Ausleger der heil. Schrift zuſammengetragen, theils aus eigener Me- ditation gefloſſen.“ Endlich„geſchieht in dem Vorbericht— es ſind Worte des Titels— eine nothwendig vorauszuleſende Anweiſung von des Werckes Zweck, Beſchaffenheit und Nutzen.*²⁰).
In dieſem letzteren Abſchnitte werden ſich demjenigen, der die Grundſätze erforſchen möchte, nach denen der Freiherr die evangeliſchen Darſtellungen des Lebens des HErrn und damit im Kern die heilige Schrift ausgelegt hat, die Punkte zeigen, nach denen er ſich ein allgemeines Urtheil über ſie wird bilden dürfen. Aus der großen Zahl der Auslegungsgrundſätze ſei der Blick auf einen im Beſonderen gerichtet, ob nämlich dem Ausleger ſeine Stellung klar gewor⸗ den iſt, die ihm und ſeinem Werk dem Bekenntniß ſeiner Kirche gegenüber zukommt. Auf dieſe Frage Beſcheid zu bekommen, wird man den fünften und ſechſten Paragraphen des Vor⸗ berichts heranziehen müſſen, von denen der erſte überſchrieben iſt:„Erinnerungen, welche die Erklärung beſonders angehen,“— während der Anfang der Ueberſchrift des andern ſo lautet: „Daß man in dem Wercke nirgends wider die wahre Lehre der Evangeliſch⸗Lutheriſchen Kir⸗ chen angeſtoſſen.“ Schon aus dieſer Zuſammenſtellung, daß die allgemeinen Erinnerungen vorangehen, und die Erwähnung der Lehre der Kirche folgt, wie auch aus dem ſeltſamen Ausdruck„daß nirgends wider die wahre Lehre angeſtoſſen“ ſei, ließe ſich vielleicht entnehmen, daß die ideale Stellung des Schriftforſchers zum Glauben ſeiner Kirche dem Freiherrn nicht völlig bewußt und klar möchte aufgegangen ſein. Allein dieſe Vermuthung wird zur Gewiß⸗ heit, wenn die nähere Ausführung der gegebenen Ueberſchriften nur ein wenig verfolgt wird. Der vermiedene Verſtoß gegen die lutheriſche Lehre iſt mit folgenden Worten dargelegt:„Durch die unendliche Barmhertzigkeit GOTTes habe ſolche(die göttliche ſeligmachende offenbarte Wahr⸗ heit) aus den Schriften des Alten und Neuen Teſtaments in dem Lichte des heiligen Geiſtes gefaſſet. Dieſe Gnade hat mich auch überzeuget, daß die Lehre der Evangeliſchen ſo genannten
26) Harmonie und Auslegung der Heiligen vier Evangeliſten.... von Carl Hildebrand, Freyherrn von Canſtein.(Halle 1718.)— Der Freiherr ließ ſich ein Exemplar ſeines Buches mit weißem Papier durchſchießen und verzeichnete in dem ihm dann noch beſchiedenen einen Lebensjahr verſchiedene Anmer⸗ kungen, wohl zu einer zweiten Auflage, mit eigner Hand. Dieß Exemplar kam ſpäter mit ſeiner gan⸗ zen Vibliothek an das Waiſenhaus zu Halle, auf deſſen Bibliothek es ſich noch heute befindet.


