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In Hanau beſtand bis dahin eine gewöhnliche Stadtſchule, die als deutſche Schule den Zweck hatte, die Kinder im Leſen Schreiben, Rechnen und der Religion zu unterrichten; doch war ſie, wie andere ähnliche Stadtſchulen der damaligen Zeit z. B. wie die in Caſſel, zugleich auch eine Art niedere latei⸗ niſche Schule. Die Schüler wurden in drei Claſſen unter⸗ richtet von dem Rector(dem deutſchen Schulmeiſter, dem alten scholasticus oder rector studiorum) und ein paar Präcep⸗ toren, gewöhnlich Collaboranten genannt.*¹). Dieſe ſtädtiſche Elementar⸗ und Rectorſchule wurde nun aber im Jahr 1605 ſo gut wie gänzlich aufgelöst. Als nämlich im Jahr 1605 in Hanau eine peſtartige Krankheit ausbrach, zog der Graf mit Kanzlei und Konſiſtorium nach Windecken über; ebendahin flüchtete ſich auch der Rector der Schule Anton Holz, wäh⸗ rend der eine Präceptor, Heermann, Kilianſtädten zu ſeinem Zufluchtsort wählte und nur der andere Präceptor Wernher in der Stadt zurückblieb. Die auswärtigen Schüler kehrten entweder in ihre Heimat zurück oder ſuchten auch wol ein Un⸗ terkommen in den Seidenfabriken der Stadt, in denen ſie dann ſpäter in der Regel auch verblieben. Dieſe Störung und zeit⸗ weiſe Aufhebung der Schule dauerte den ganzen Winter(von 1605 auf 1606) hindurch bis weit ins Jahr 1606 hinein.
So wurde der Graf Philipp Ludwig II. nicht nur durch ſein eigenes perſönliches Verlangen, ſondern auch durch die angegebenen äußeren Verhältniſſe zu einer Neugeſtaltung des Schulweſens getrieben. Sein Plan war aber nicht, die in Verfall geratene Stadtſchule einfach wiederherzuſtellen und ihre bisherige Einrichtung beizubehalten, ſondern dieſelbe zu einem gymnasium oder paedagogeum illustre zu erweitern, alſo weſentlich zu einer ganz neuen Schule umzugeſtalten. Ja, er hatte ſogar die Abſicht, nach dem Muſter anderer höherer Lehr⸗ anſtalten, vor allen der ſächſiſchen Fürſtenſchulen, das Gym⸗ naſium ſo einzurichten, daß daſſelbe ſeinem Hauptbeſtandteile


