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Folge deſſen ein langer Streit, der ſogar vor den Kaiſer und das Reichskammergericht gebracht wurde. Als es aber der Graf geſchickter Weiſe dahin zu bringen wußte, daß die Ober⸗ vormundſchaft an Kurpfalz kam, wo nach Ludwig VI. Tode unter der Regentſchaft von Johann Caſimir die lutheriſchen Pfarrer und Profeſſoren aus dem Lande gejagt waren, wurden die treu gemeinten, wol berechtigten Bemühungen des Gra⸗ fen Philipp von Lichtenberg gänzlich vereitelt. Philipp Lud⸗ wig II. wurde trotzdem, daß er demnächſt die Regierung in einem Lande lutheriſchen Bekenntniſſes*⁹) antreten ſollte, nach Herborn geſchickt, wo kurze Zeit zuvor, als nach Kurfürſt Friedrich III. Tode deſſen vorhin erwähnter Sohn Ludwig VI. wieder zum lutheriſchen Bekenntnis zurückgekehrt war, Caspar Olevianus(bekanntlich mit Zacharias Urſinus Verfaſſer des Heidelberger Katechismus) im Jahre 1584 eine reformierte Hochſchule(gymnasium illustre) gegründet hatte. Hier erhielt Philipp Ludwig honoris causa die Würde eines rector mag- nificentissimus und hörte nicht allein theologiſche, juriſtiſche und philoſophiſche Vorleſungen, ſondern trat auch ſelbſt mehr als einmal bei akademiſchen Disputationen unter allgemeinem Beifall auf der cathedra maior öffentlich auf. So ward er ſchon früh in der Dialektik geübt und überhaupt eine gelehrte Richtung in ihm geweckt, die ſeine Gedanken von nun an darauf lenkte, ſich demnächſt auch in ſeinen Landen die Grün⸗ dung wißenſchaftlicher oder die Wißenſchaft fördernder Inſtitute angelegen ſein zu laßen; wie er denn gleich nach Vollendung ſeiner akademiſchen Laufbahn, als er im Jahre 1593 nach Ha⸗ nau zurückgekehrt war, hier in ſeiner Reſidenz die erſte Buch⸗ druckerei zu Stande brachte, aus der hernach die berühmten Aubriſchen und Wecheliſchen Druckereien hervorgiengen. Auch auf ſeiner größeren Reiſe, die er bald darauf antrat, offenbarte ſich dieſe gelehrte Richtung immer mehr. Das Verlangen, die Kunſtdenkmäler des elaſſiſchen Altertums kennen zu lernen trieb


