Aufsatz 
Geschichte der Gründung und Einweihung des Gymnasiums zu Hanau. Festschrift zum 200jährigen Jubiläum : 2. Teil
Entstehung
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geliſierung des Landes, nach dem Augsburger Bekenntnis von 1530, der zuletzt genannte Mitvormund Graf Reinhard zu Solms, der katholiſch blieb, vielfach hemmend entgegen. Ja, als Balthaſar bereits im Jahre 1534, kaum 26 Jahr alt, ſtarb, wußte es der Graf von Solms durchzuſetzen, daß der junge Graf Philipp III. und deſſen noch jüngerer Bruder 1536 zu⸗ erſt auf die katholiſche Univerſität nach Mainz und nachher nach Ingolſtadt geſchickt wurden. Der beabſichtigte Erfolg wurde jedoch nicht erzielt: Philipp III., ſeit 1544 mündig ge⸗ worden, zeigte ſich hauptſächlich durch den Einfluß des Abts Peter Lottich:) zu Schlüchtern, der 1543 das evangeliſche Bekenntnis angenommen und eine Schule zu Schlüchtern ge⸗ gründet hatte der lutheriſchen Lehre günſtig; und als im Jahre 1548 der Stadt Hanau auf des Kaiſers Befehl das Interim aufgenötigt wurde, erhob ſich beſonders von Seiten des erſten Stadtpfarrers, des oben erwähnten Pfarrers Neun⸗ heller ſtarker Widerſpruch; der katholiſche Gottesdienſt hörte um dieſe Zeit in Hanau gänzlich auf. Graf Philipp nahm an dem Naumburger Fürſtentag vom 20. Januar bis zum 8. Fe⸗ bruar 1561 Teil und unterſchrieb mit den übrigen die unver⸗ änderte Augsburger Confeſſion. Noch auf ſeinem Tod⸗ bette war ſein ſteter Gedanke und herzlicher Wunſch, daß die reine lutheriſche Lehre Augsburgiſchen Bekenntniſſes in ſeinen Hanauiſchen Landen erhalten und der Friede nicht geſtört wer⸗ den möchte. Sein Sohn und Nachfolger in der Regierung Graf Philipp Ludwig I., geboren am 21. November 1553, alſo bei dem bereits im November 1561 erfolgten Tode ſeines Vaters erſt 8 Jahr alt, wurde, unter der Vormundſchaft des Grafen Philipp IV. von Hanau⸗Lichtenberg und des Grafen Johann von Naſſau⸗Dillenburg, am Hofe des letztern ſehr ſorg⸗ fältig erzogen, beſuchte ſpäter mit dem jungen Grafen Heinrich von Naſſau die Univerſitäten zu Straßburg und Tübingen und ſuchte ſich dann, wie das allgemein üblich war, durch Reiſen