Aufsatz 
Szenische Analyse des Sophokleischen Dramas Ajas Mastigophoros / von K. W. Piderit
Entstehung
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herbeiführen, die dann erſt in den Scenen, wo Teukros handelt, orga⸗ niſch aufgelöſt werden. Die Nothwendigkeit eines Conflikts zwiſchen Ajas und den Häuptern der Griechen iſt in der Expoſition aufs Be⸗ ſtimmteſte angedeutet; und dem Zuſchauer gleichſam ein Anſpruch dar⸗ auf gegeben, dieſen bis zum Ende ausgefochten zu ſehn. Dadurch, daß Ajas für ſeine Perſon ſich demſelben entzieht, kann dieſes Ende um ſo weniger herbeigeführt werden, als in ſeinem Leichnam und ſeinen Hin⸗ terlaſſenen ein Gegenſtand der Rache zurückbleibt, und ſo beginnt erſt mit ſeinem Tode die rechte Handlung, die ihren wahren Abſchluß erſt von der durch Athenes Ermahnung motivirten und eingeleiteten Erſcheinung des Odyſſeus erhält und erhalten kann. In demſelb en Maße alſo, wie der natürliche Anfang der Handlung als ſolcher abgekürzt und in die Expoſition zuſammengedrängt iſt, verlangt das Gleichgewicht ſelbſt einen andern Schwerpunkt, der nur durch die Fortſetzung über Ajas Tod hinaus erzielt werden kann, und weit entfernt, erſt in einem fol⸗ genden Stücke ihren Abſchluß zu erhalten, gehören die Scenen mit Teukros gerade in ihrer Ausführlichkeit ebenſo nothwendig zur Idee des Drama's ſelbſt, als die Antigone nicht mit der Abführung dieſer zum Tode endigen kann und weiter untendie Selbſtbeſchleunigung des unvermeidlichen Untergangs(des Ajas), ſo nothwendig ſie auch durch die Sage und den Charakter des Helden ſelbſt gegeben war, hat doch den gemeſſenen Gang der Handlung auf unerwartete Art durch⸗ kreuzt und das dadurch geſtörte Gleichgewicht muß erſt gleichſam durch die Litisconteſtation zwiſchen Teulros und Menelaos hergeſtellt ſein, ehe in dem Schlußacte die zwiſchen Agamemnon und Teukros hin und her ſchwankende Wage durch Odyſſeus ihren Ausſchlag erhalten kann. Daß Ajas untergehen muß, iſt gewiß, ebenſo gewiß aber auch, daß die Theilnahme des Zuſchauers, der ihn nicht in ſeiner unbändigen Vermeſſenheit, ſondern nur in ſeinem Unglück und ſeiner großartigen Reue kennen gelernt hat, ſchlecht befriedigt ſein würde, wenn die⸗ ſem Untergang nicht gleichwohl die Anerkennung ſeiner Heldengröße ſolgte.

Dieſe klare Darlegung der dramatiſchen Einheit im Ajas behält denn auch ihr volles Gewicht der neuerdings von Th. Bergk auf⸗