Aufsatz 
Szenische Analyse des Sophokleischen Dramas Ajas Mastigophoros / von K. W. Piderit
Entstehung
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Schon vom Standpunkt dieſer ſceniſchen Anlage daher, wie ſie bei Sophokles nun einmal iſt, ſind die Scenen mit Teukros in ihrer Aus⸗ führlichkeit für die künſtleriſche Geſtaltung unſerer Tragödie nothwen⸗ dig. Daß dieſe aber auch vom äſthetiſchen Standpunkte ihre volle Be⸗ rechtigung haben, iſt unter Andern von Immermann, Döderlein, Wel⸗ cker und K. F. Hermann vollſtändig nachgewieſen.Ein gewöhnlicher Dichter ſagt letzterer a. a. O. S. 852 ff. würde allerdings in den Tod des Ajas die Kataſtrophe ſelbſt gelegt haben und aus dieſem Geſichtspunkte wäre dann freilich das ganze Rechten zwiſchen Teukros und den Königen um das Begräbnis und Odyſſeus endliche Dazwiſchen⸗ kunft ein überhängender Theil, deſſen Mangel an Proportion eine Stö⸗ rung der Einheit bliebe; ein ſolcher würde aber auch von dem Waffen⸗ urtheile angefangen und den Wahnſinn des Ajas nicht blos in die Ex poſition verwebt, ſondern zum Mittelpunkt des Stücks ſelbſt gemacht haben, und daß S. das nicht gethan hat, zeugt eben ſo negativ für ſeine andere Auffaſſung der Kataſtrophe, als die Warnung der Athene an Odyſſeus V. 127 ff. poſitiv den vorliegenden Schluß als den zum innerſten Organismus des Stückes ſelbſt gehörigen und in ſchönſter Abrundung ſich auf den Anfang zurückbeziehenden beurkundet. Mit Einem Wort, nicht Ajas tragiſches Ende als ſolches, ſondern die Fol gen ſeiner wahnſinnigen That, welche letztere der Dichter mit allen Motiven als bekannt vorausſetzen durfte, bilden den Gegenſtand die⸗ ſes Dramas, das inſofern ganz des großen Dichters würdig iſt, als es ſich auch hier nicht ſowohl um die Veranſchaulichung der mythiſchen Thatſachen als ſolcher, ſondern um die Art und Weiſe der Ausführung handelt, wo er mit dem treuſten Anſchließen an den gegebenen Stoff doch die höchſte Freiheit der Erfindung und pſychologiſchen Motivirung verbindet: und je mehr hier die Zuſchauer von vorn herein zwiſchen dem Gefühle der Nothwendigkeit, ein ſolches Vergehen nicht ungeſtraft zu laſſen und der Theilnahme und Bewunderung für den gewaltigen Helden auch in ſeinem Unglück ſchwanken müſſen, deſto weniger kann die gewaltſame Durchſchneidung des Knotens durch Ajas Schwert als eine befriedigende Löſung der Stelle gelten, ſondern muß im Gegen⸗ theil die Spannung nur erhöhen und neue unerwartete Verwickelungen