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geſtellten Behauptung gegenüber, daß die gegenwärtige Ge⸗ ſtalt unſerer Tragödie durch Diaſkeue entſtanden, der letzte Theil des Dramas unächt ſei.„Es iſt bekannt, ſagt der genannte Gelehrte in der für die Kritik des Sophokles höchſt beach⸗ tenswerthen Recenſion der Wunderſchen 2ten Ausgabe des Ajas und 3ten der Antigone¹!), daß die Dramen der attiſchen Tragiker nicht ſelten zum Behuf einer neuen Aufführung umgearbeitet wurden: es kann dies vom Dichter ſelbſt geſchehen ſeyn, eben ſo oft mag aber auch ein Anderer in ſpäterer Zeit eine ſolche Diaſkeue vorgenommen haben. In einer ſolchen Überarbeitung liegt uns offenbar der Ajax des Sophokles vor: denn der letzte Theil dieſes Dramas rührt ſichtlich von an⸗ derer Hand her: der Ajax war urſprünglich Theit einer Trilogie; indem man ihn ſpäter allein zur Aufführung brachte und ihn ſo aus dem natür⸗ lichen Zuſammenhange herausriß, wurde eine Umarbeitung wenigſtens des Schluſſes nöthig und nur in dieſer Geſtalt iſt uns der Ajar erbal⸗ ten.“ So ſcheinbar dieſe Modification der Trilogien⸗Hypotheſe auf den erſten Anblick ſein mag, ſo ſteht ihr doch hauptſächlich ein Zwie⸗ faches entgegen: einmal die ſchon erwähnte und durch das Folgende noch ſicherer zu begründende Einheit der dramatiſchen Handlung, die feſte und geſchloſſene Abrundung des Ganzen, die Anlage nach einem bewußten Plan, der nur in dem Geiſte eines Dichters gefaßt ſein kann. Finden ſich doch in dem erſten Theil z. B. V. 689. 826 ff. unzwei⸗ deutige Hinweiſungen auf das Spätere! Und es wird doch wol Nie⸗ mand annehmen, auch wäre damit ohnehin nichts gewonnen, daß von Seiten des Diaſkeuaſtean eine völlige Umbildung zu einem künſtleri⸗ ſchen Ganzen in Sophokleiſchem Geiſte Statt gefunden habe! So⸗ dann aber wäre es in der That mehr als auffallend, wenn den
¹) Hall. Allg. Lit. Zeitung 1849·Juni Nr. 136. S. 1085.


