Aufsatz 
Szenische Analyse des Sophokleischen Dramas Ajas Mastigophoros / von K. W. Piderit
Entstehung
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um doch nicht zu ſehr vom alten Mythus abzuweichen, hat S. die Perſonen des Kalchas und des Odyſſeus aus Homer beibehalten; das ſind aber auch die einzigen. Tekmeſſa und Euryſakes ſtellen die athe⸗ niſchen Mütter und deren Kinder vor, der Chor die Bundsgenoſſen der Athener, Agamemnon und Menelaos diejenigen unter den Peloponne⸗ ſtern, die in feindlichem Verhältniſſe zu Athen ſtehen. Teukros endlich übernimmt nach Ajas Tod die Rolle deſſelben d. h. des Staats nach der ſieiliſchen Expedition(p. 21), und ſucht die, welche den atheniſchen Staat zu zerſtören( den Ajas unbeerdigt zu laſſen) trachten, daran zu hindern. So lange Ajas Leichnam unbeſtattet liegt, kann das Drama nicht zu Ende gehen, d. h. ehe der atheniſche Staat nicht entweder zerſtört iſt oder ſich mit ſeinen Gegnern verſöhnt hat, hört auch ſeine Geſchichte nicht auf. Oder ſo wird am Schluß(p. 26) etwas anders ſymboliſirt Ajas Begräbnis iſt ſo zu erklären, daß der atheniſche Staat durch die ſiciliſche Expedition des Lebens beraubt, endlich beſtattet werde und den Namen der Demokratie verliere, eine Anſpielung auf die vorübergehende oligarchiſche Staatsveränderung vom J. 411 v. Ch. Auf ſolcher Grundlage gibt ſich nun der Verfaſſer die verzweifelte Mühe, Scene für Scene durchzugehen. Man muthe mir nicht zu, die zablloſen Abenteuerlichkeiten aufzuführen, die hier zum Vorſchein kommen, z. B. daß V. 346 Tekmeſſa mit ihrem 1000 d401GE ſagen will: nunc ante oculos vobis ponam intestinam reipublicae rationem, daß Ajas Wehklage V. 401 ff. daâd' da d*69 646OO" lafbet die Unbußfertigkeit der Athener ſchildere, daß wie die Athener die ſiciliſche Expedition unternommen in der ernſtlichen Abſicht, ihren Staat zu höherer Macht zu erheben, ſo Azas wirklich in den Worten V. 654 ff. A αα αρς εᷣ lourod aœd aduxrloue 45 μα νας u. ſ. w. Ernſt gemacht und ſich anfangs nicht habe ermor⸗ den wollen; ja unter Hektor, deſſen Geſchenk ſo verhängnißvoll für Ajas ward, ſollen die Egeſtaner, die von den Trojanern abſtammen, gemeint ſein.*

Die Leſer mögen entſchuldigen, daß ich ihre Geduld mit Aufzäh⸗ lung von dergleichen Sonderbarkeiten auf eine ſo harte Probe geſtellt habe. Die Widerlegung im Einzelnen erlaſſen ſie mir um ſo eher, je