Aufsatz 
Über das Leben des lateinischen Dichters Venantius Honorius Clementianus Fortunatus / von Thomas Bormann
Entstehung
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Dieses geschah also zu Poitiers und zwar vor 576; denn in diesem Jahre starb Germanus, Bischof von Paris(Greg. Tur. V, 8), der zur Zeit der Vollendung des Gedichtes seiner Diöcese noch vorstand IV, 635: Inde Parisiacam placide properabis ad arcem, Quam modo Germanus regit, et Dionysius olim. Das Bedeutendste und Wertvollste, was wir von Fortunatus besitzen, sind seine elf Bücher Gedichte; sie sind von dem manigfaltigsten Inhalte und gehören grösstentheils der Gelegenheitspoesie an; man kann sie etwa folgendermassen eintheilen:

1. Hymnen und kirchliche Lieder: II, 17 auf das heilige Kreuz(4. 5. 6. sind Akrostichen, 4. und 6. sind in Kreuzesform abgefasst), III, 7 auf das Osterfest, VIII, 3 auf die Geburt Jesu Christi, VIII, 4 auf die Vorzüge der Jungfräulichkeit, VIII, 5 auf die Jungfrau Maria. Das dem Bischofe Felix von Nantes gewidmete Gedicht III, 7 wurde früher fälschlich dem bekannten Kirchenschriftsteller Lactantius zugeschrieben(vgl. Bähr a. a. O.§. 9); den Hymnus de passione, der mit den Worten anfängt: crux fidelis inter omnes und im römischen Brevier zu finden ist, hat Brower in seine Ausgabe nicht aufge- nommen. Diese Hymnen sind das schönste, was unser Dichter hervorgebracht hat, und bekunden sowol sein poetisches Talent als auch seinen christlich frommen Sinn, weshalb einige derselben(II, 7: vexilla regis prodeunt und II, 2: pange lingua gloriosi proelium certaminis) unter die Zahl der Kirchenlieder aufgenommen worden sind. Auch die Lobgedichte auf Leontius, Bischof von Bordeaux I, 16, auf den Martyrer Saturnin, Bischof von Toulouse II, 8, auf die Martyrer von Agaunum II, 15, auf Hilarius von Poitiers II, 16 und Medardus II, 17 können wir hierher rechnen.

2. Poetische Briefe: diese bilden den grössten Theil seiner Poesie; sie sind an seine vielen geist- lichen und weltlichen Freunde bei verschiedenen Veranlassungen gerichtet und meistens panegyrischen Inhalts I, 1. 15. 17. II, 10. III, 14. 6 9. 1114. 17. 18. 20 25. V, 13. 620. VI, 11. 12, sämmtliche Gedichte des 7. Buches, VIII, 6 23. IX, 613. 16. X, 21 25. XI, 1 24. Rein panegy- rischer Art sind die Gedichte an König Sigibert VI, 1, an ihn und seine Gemalin Brunichilde VI, 3, an Charibert VI, 4, an die Königin Theodechilde VI, 5, an Berechilde VI, 6, an Chilperich IX, 1, an ihn und Fredegund IX, 2 und 3.

3. Epigrammatische Gedichte auf Kirchen I, 2 13, II, 1114, X, 1. 2. 13., Landhäuser I, 18 20 und sonstige Gegenstände; Epitaphien enthalten sämmtliche Gedichte des 4. Buchs und IX, 4. 5.

4. Beschreibende Poesien: I, 21 handelt vom Flüsschen Agircius bei Bordeaux, III, 10 beschreibt das vom Bischof Nicetius von Trier an der Mosel erbaute feste Schloss, VI, 7 den Garten der Königin Ultrogotho, Gemalin Childeberts.

5. Erzählende Gedichte: V, 4 von der durch Avitus bewirkten Bekehrung der Juden in der Auvergne, VI 2 von der Vermälung Sigiberts mit Brunichilden, VI, 7 von der des Königs Chilperich mit Galsuinta, VI, 10 wird ein kleines Reiseabenteuer des Dichters, X, 12 seine Moselreise, XI, 24 eine andre Reise erzählt. Das am Schluss der Gedichtsammlung angefügte mit der Uberschrift de excidio Thuringie ex persona Radegundis bezeichnete Gedicht ist kein erzählendes sondern ein elegisches; Radegunde bejammert darin das traurige Ende des Thüringischen Reiches und ihrer königlichen Familie, ihre Trennung von ihrem auf einer Reise im Orient weilenden Vetter Hamalafrid(dem Sohn ihres Oheims Hermanfrid), mit dem sie einst ihre Kindesjahre verlebt und der sie jetzt noch durch keinen Brief erfreut habe, und den Tod ihres Bruders, den König Chlotar ungerechter Weise hatte ermorden lassen(Greg. Tur. III, 7). Elegisch ist auch der Brief an ihren Verwandten Artachis, den letzten männlichen Spross des alten