Aufsatz 
Über das Leben des lateinischen Dichters Venantius Honorius Clementianus Fortunatus / von Thomas Bormann
Entstehung
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mhüringischen Königsgeschlechtes; des eben erwähnten Hamalafrid Tod wird in diesem Gedichte betrauert, und Artachis gebeten, er möchte jetzt Radegunden und ihrem Kloster schützend zur Seite stehen. Hinsichtlich der metrischen Form sind die Gedichte fast alle in elegischem Versmass abgefasst; nur die Hymnen 1, 16; II, 7; VIII, 3 sind in vierfüssigen Jamben, II, 2 in katalektischen achtfüssigen Trochäen und 9, 7 in sapphischen Strophen gedichtet.

Was nun den poetischen Gehalt dieser Dichtungen betrifft, so können wir mit dem Urteil Bährs a. a. O.§. 40 nur übereinstimmen:Blicken wir auf den Charakter dieser Dichtungen im allgemeinen, so lässt es sich nicht läugnen, dass Fortunatus ein wahres Talent für die Poesie besass, und seine Dichtungen bei allen einzelnen Mängeln in der Form, in dem oft schwerfälligen und gekünstelten Ausdrucke, bei den zahlreichen Verstössen in Sprache und Versbau, was grösstentheils Folge der Zeit und der durch sie eingeführten grössern Freiheit in Behandlung des Metrischen und Prosodischen war, doch zu den besseren und vorzüglicheren Erzeugnissen christlicher Poesie zu rechnen sind, wie dies namentlich von den Hymnen gilt, während andere Gedichte auch durch die mannigfachen Kenntnisse, welche Fortunatus besass, und durch die für jene Zeit ungemeine Bildung ein besonderes Interesse gewähren; weshalb wir es nicht unerklärlich finden werden, wie ein solcher Dichter gewissermassen Vorbild für die spätern Dichter werden und den Beifall seiner Zeitgenossen in hohem Grade gewinnen konnte.