Aufsatz 
Über das Leben des lateinischen Dichters Venantius Honorius Clementianus Fortunatus / von Thomas Bormann
Entstehung
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Betrachtung wegen auf einsame Küsteninseln zurückzogen, zeigt uns Greg. Tur. VIII, 43 an dem Beispiele des Palladius, Bischofs von Saintes(urbs Sanctonica), und unser Dichter berichtet uns dasselbe von Rade- gunden selbst VIII, 11 und 12, ohne jedoch zu erwähnen, dass sie grade eine Insel zum Aufenthaltsort für die Dauer ihrer Ascese sich erkiesen habe.

Fortunatus überlebte Radegunden; er nennt sie X, 10, 25 als eine unter die Chöre der seligen Geister aufgenommene; sie starb nach Greg. Tur. IX, 2 im Todesjahr des westgothischen Königs Leovigild, also 586, am 13. Tage des 6. Monats, d. h. des August, da in dem fränkischen Reiche damals das Jahr mit dem 1. März begann, welche Zählart auch Gregor befolgt; ihr Leben hat Fortunatus, der sie schon in seinen Gedichten verherrlicht hatte,(VIII, 1, 21 sq., 4, 47 67; 7 12; XI, 1 3) selbst beschrieben; es steht bei Surius IV, 629 645 und in der Sammlung der Bollandisten August tom. III. p. 67 83, enthält aber durchaus nichts auf die Lebensverhältnisse des Verfassers selbst Bezügliches; auch aus Rade- gundens Biographie von Baudonivia(a. a. O.), einer Pflegetochter derselben und dann Nonne ihres Klosters, erfahren wir über unsern Dichter nichts Näheres; auch Gregor von Tours(IX, 2), der wegen Abwesenhcit des auf einer Inspectionsreise begriffenen Maroveus, Bischofs von Poitiers, die irdischen Uber- reste der Verblichenen in der von ihr erbauten und zu ihrer einstigen Ruhestätte bestimmten Marienkirche bestattete(de glor. confess. c. 106), hatte ihr Leben in einem seiner sieben Bücher Miraculorum beschrieben

Uber seine Beschäftigungen in Poitiers hat uns der Dichter nichts Näheres mitgetheilt; wir können nur aus seinem Berufe als Priester und aus seinem Verhältnisse zu Radegunden und ihrem Kloster im allgemeinen entnehmen, dass er seine Zeit theils seinen Berufspflichten theils schriftstellerischen Arbeiten widmete. In seinen spätesten Lebensjahren, wie Löbell a. a. O. S. 397 vermutet, als ein siebenzigjähriger Greis, erlangte er noch die bischöfliche Würde in Poitiers. Dass er wirklich Bischof daselbst war, was manche bezweifelt haben, geht aus den Worten seiner vorhin erwähnten Zeitgenossin Baudonivia im Prolog zu ihrer Lebensbeschreibung Radegundens hervor, worin sie ihn ausdrücklich Bischof nennt: Non ea quæ vir aposlolicus Fortunatus episcopus de beatæ vita composuit iteramus; hierzu kommt noch das Zeugniss des Paulus Diaconus, der selbst die Grabstätte desselben besucht hatte; die hierhergehörigen Worte sind schon oben angeführt. Zwar nennt Gregor unsern Dichter stets nur Presbyter; daraus kann aber natürlich nicht gefolgert werden, dass er bis an sein Lebensende einfacher Presbyter geblieben; da wir aber wol mit Grund annehmen dürfen, dass Gregor die Erhebung seines Freundes zur Bischofswürde in einer benachbarten Stadt nicht leicht würde verschwiegen haben, um somehr da er sonst in Aufzeichnung der aufeinanderfolgenden Bischöfe sehr gewissenhaft ist, so können wir aus diesem Schweigen den Schluss zichen, dass unser Dichter erst nach der Zeit, in welcher Gregor seine verschiedenen Werke vollendet hatte, also nicht vor 594 zum Episcopate erhoben worden(in dem genannten Jahre nehmlich hatte Gregor nach seiner eignen Aussage X, 31 extrem. seine schriftstellerische Thätigkeit beschlossen) oder doch wenigstens nicht vor 592, bis zu welchem Jahre die fränkische Geschichte des genannten Historikers sich erstreckte, in der des Fortunatus als Bischofes keine Erwähnung geschieht. Auch 591 war er es noch nicht; damals bekleidete Maroveus diese Würde und war Mitglied jener von den Königen Childebert und Guntram zur Untersuchung der ärgerlichen Auftritte im Kloster der Radegundis zu Poitiers niedergesetzten Commission, an der auch Gregor v. Tours Antheil nahm(X, 15). Des genannten Maroveus(der jedenfalls 592 oder ganz kurz vorher gestorben sein muss, da er schon zu sigiberts Zeit Bischof war, Greg. Tur.

IX, 40) Nachfolger war unstreitig jener von Fortunatus X, 20 wegen seiner Erhebung zur Bischofswürde beglückwünschte Plato, ein Geistlicher von Tours, der von Gregor zum Bischof geweiht wurde, bald nach