Aufsatz 
Über das Leben des lateinischen Dichters Venantius Honorius Clementianus Fortunatus / von Thomas Bormann
Entstehung
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sogar als einen lateinischen Dichter preist, dem italischen Dichterfremdling sich huldreich mögen bewiesen haben(VI, 4, 97 100; IX, 1, 105 110), namentlich Charibert, in dessen Stadt Poitiers er sich nieder- gelassen; von Chilperich wissen wir aus Greg. Tur. V, 4., dass er den christlichen Dichter Sedulius nachahmend Bücher in Versen geschrieben habe, die sich jedoch durch prosodische und metrische Richtigkeit keineswegs empfahlen.

Dass Fortunatus sich eine Zeit lang in Austrasien aufgehalten habe, beweist die in seinen Gedichten bekundete genaue Ortskenntniss, die er sich nur durch eigne Anschauung erworben haben konnte; nur lässt sich nicht annehmen, dass er gleich unmittelbar nach seiner Ankunft daselbst alle Gegenden, die er uns nennt oder beschreibt, besucht habe, da wir gewiss wissen, dass er auch später mit Unterbrechung seines Aufenthaltes in Poitiers weitere Reisen ins fränkische Reich machte. So fällt seine Reise auf der Mosel von Metz bis Andernach(Antonnacum) X, 12 erst nach Sigiberts Tod in die Regierungszeit seines Sohnes Childebert II., auf dessen Wunsch oder Befehl er sie machte. Auf derselben kam er nach Trier, das sich von seinen im Lauf der Völkerwanderung, namentlich durch Attila erlittenen Zerstörungen noch nicht ganz erholt hatte v. 24, in dessen Umgegend aber der Weinbau blühte(v. 25 35); bei Andernach, mit gesegnetem Feld- und Weinbau, erwähnt er des Lachsfanges im Rhein v. 71. Auch die XI, 24 angegebene Reise hat er mit Unterbrechung seines Aufenthaltes in Poitiers unternommen v. 5:

Nam me digressum a vobis, d. h. von Radegundis und Agnes, an welche das Gedicht gerichtet ist, eo mundus amator

Illaque suscepit qua bonitate solet und v. 32:

Hoc mihi præcipue divina potentia præstet,

Ut cito felices vos revidere queam; es lässt sich aber aus diesem Gedichte nicht bestimmen, wohin jene Reise gerichtet war, da wir die Lage der darin angeführten Orte Cariaca aula und IIlacensis nicht kennen, auch nicht wissen, wo der sacer antistes Domitianus, der unsern Dichter vom letztgenannten Orte mit zu dem Freudenfeste des Albinus oder Albanus nahm, eigentlich wohnte; zwar sagt Brower in den Anmerkungen zu dieser Stelle, es sei Domitian, Bischof von Chalons an der Marne, gemeint; aber er hat seine Meinung nicht näher begründet.

Von Austrasien begab sich Fortunatus nach Tours, das wie Poitiers nach dem Tode des Königes Charibert 568 kraft eines Vertrags in den Besitz seines Bruders Sigibert gekommen war(Greg. Tur. IV, 40); zwar suchte Chilperich sich der beiden Städte zu bemächtigen, Sigibert aber im Bunde mit seinem Bruder Guntram, Könige von Burgund, behauptete sich im Besitz derselben(id. IV, 40; V, 48). Nach Sigiberts Tode 576 wollte Guntram die genannten Städte mit seinem Reiche vereinigen, diese aber beschlossen Sigiberts Sohne Childebert treu zu bleiben; obgleich sie durch Königsgewalt gezwungen wurden eine kurze Zeit lang dem Könige Guntram zu huldigen(id. VII, 12. 13. 14. 24), so behauptete sich Childebert doch im endlichen Besitze derselben(id. IX, 30). In Tours erwarb sich unser Dichter die Freundschaft des berühmten Bischofes dieser Stadt, Gregor; den Bürgern wünscht er V, 2 Gläck dazu, dass sie diesen zum Bischof erhalten; dass es nicht ohne Mitwirkung Sigiberts und Brunichildens geschehen, zeigt v. 15: Huic Sigibertus ovans favet et Brunichildis honori; dieses Gedicht ist also 573 geschrieben, da in diesem Jahre Gregor den bischöflichen Stuhl von Tours bestieg und zwar als der 19. in der Reihenfolge der dasigen Bischöfe und als unmittelbarer Nachfolger des Euphronius(Greg. Tur. X, 31), den Fortunatus in den beiden am Anfange des 3. Buches stehenden