Aufsatz 
Über das Leben des lateinischen Dichters Venantius Honorius Clementianus Fortunatus / von Thomas Bormann
Entstehung
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Vindo(bei Paul. Diac. Virdo, jetzt Wertach) erwähnt. Nach Augsburg kam er ohne Zweifel auf der von Veldidena dahin führenden, im Iliner. Anton. und auf der Peutingerschen Tafel angegebenen Strasse, deren Länge 106 römische oder 21 deutsche Meilen betrug; vgl. Mannert a. a. O. S. 713 f. Von nun an eilt Fortunatus über die fernern Angaben seiner Reise flüchtig hinweg und sagt uns blos, dass er Donau und Rhein überschritten; es lässt sich also nur vermuten, dass er von Augsburg aus zuerst die Strasse einschlug, die von da nach dem an der Donau gelegenen Ort Ad Lunam(nach Mannert a. a. O. S. 703 in der Nähe des heutigen Ehingen in Württemberg) führte, und dann an den a. a. O. genannten Orten vorbei bis an den Rhein zog. Das Land zwischen Lech, Donau und Rhein nennt er Allemannien; letzteren Strom bezeichnet er als den Fluss Germaniens, worunter er das austrasische Reich versteht; vgl. VI, 11, 5; VII, 5, 21; VII, 8, 49; VI, 7, 41; VI, 2, 94. Die Beschwerden der langen Reise suchte er sich durch Beschäftigung mit Poesie zu lindern, wie er dies in dem angeführten Briefe an Gregor selbst Dekennt, sich aber zugleich darüber beklagt, dass er dabei ganz seinem eigenen Genius überlassen gewesen und des belehrenden zurechtweisenden Urteils von Freunden und Kunstrichtern habe entbehren müssen; nur die Lieder(leudi, althochdeutsch lioth) der Barbaren habe er unter Begleitung der Harfe während ihrer rauschenden Trinkgelage singen hören(das offenbar dem deutschen nachgebildete leudi findet sich auch VII, 8, 69: nos tibi versiculos, dent barbara carmina leudos): Ubi inter barbaros longo tractu gradiens aut via fessus aut crapula brumali sub frigore Musa hortante nescio gelida magis an ebria novus Orpheus lyricus silve voces dabam, silva reddebat. Ouid inter hæc extensa viatica consulte dici potuerit censor ipse mensura; ubi non urgebat vel metus ex iudice, vel probabat usus ex lege, nec invi- tabat favor ex comite, nec emendabat lector ex arte; ubi mihi tantundem valebat raucum gemere quod cantare; apud quos nihil dispar erat aut stridor anseris aut canor oloris; sola sepe bombicans barbaros leudos harpa relidebat; ut inter illos egomet non musicus poeta sed muricus deroso flore carminis poema non canerem sed garrirem, quo residentes auditores inter acernea pocula salutem bibentes insana Baccho judice debaccharent. Quid ibi affabre pariter dictum sit, ubi vix sanus quis creditur, nisi secum pariter insanitur? quo gratulari magis, si licet vivere, post bibere; de quo convivam thyrsicum non fatidicum licet exire sed fatuum. Es findet sich übrigens unter seinen vorhandenen Gedichten kein einziges, woraus sich schliessen liesse, dass es auf seiner Reise von Italien nach Austrasien geschrieben.

In Austrasien fand er an vornehmen Staatsbeamten mächtige einflussreiche Gönner und Beschützer; so an den beiden austrasischen Duces Lupus und Gogo und an des ersteren Bruder Magnulf. Von Lupus, dem Dux von Campania(Champagne), einem als Staatsmann und Feldherrn gleich ausgezeichneten Beamten, sagt er deshalb in dem an ihn gerichteten 8. Gedichte des 7. Buches v. 49. 50:

Cum peregrina meos tenuit Germania vulius,

Tu pater et patriæ consuliturus eras. Die Freundschaft mit ihm dauerte auch länger fort; denn noch nach neunjähriger Abwesenheit von seinem Vaterlande steht er mit ihm in Briefwechsel VII, 9:

Officiis intente piis, memorator amantis,

Prompte per affectum consuliture tuum!

Carius absentis nimium miseratus amici,

OQuando latente loco signa requirit amor.

Unde meis meritis datur hoc ut protinus esset

Spes Fortunati cura benigna Lupi?