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Cote ex iuridica cui vix rubigo recessit;
Quæ prius addidici dediscens et cui tantum
Artibus ex illis odor est in naribus istis;
Non prætexta mihi rutilat toga, penula naulla. In der Philosophie war er ein Fremdling, und in der Theologie machte er erst während seines Aufenthaltes im fränkischen Reiche gründlichere Studien; in einem Briefe an Martinus, Bischof in Galicien(Buch V. init.), der in einem Schreiben an ihn seiner Studien in peripatetischer und stoischer Philosophie sowie in der Theologie erwähnt hatte, sieht er dieses nur als einen Ausdruck der freundschaftlichen Gesinnung und wohlwollenden Meinung des Bischofs an; er verdiene diese Lobsprüche nicht, da er ja den Plato, Kristoteles, Chrysippus, Pittacus kaum dem Namen nach kenne, den Hilarius, Gregorius, Ambrosius, Augustinus nicht gelesen habe. Nam quod refertis, sind seine Worte, in literis post Stoicam Peripateticamque censuram me theologiæ ac rhetoricæ tirocinio mancipatum, agnosco quod amor faciat, cum et immerentes exornat. Cur tamen, bone pater, in me reflectis quod tuum est ac de me publice profers quod tibi privatum est, cum prima sint vobis nota et secunda domestica? nam Plato, Aristoteles, Chrysippus vel Pittacus cum mihi vix opinione noti sint, nec legenti Hilarius, Gregorius, Ambrosius, Augustinus. Den ersten Unterricht im Christentum scheint er von Paulus, Bischof von Aquileja, erhalten zu haben; denn dieses ist wol der Sinn der Worte V. Mart. IV, 660. 61:
Pontiſicemque pium Paulum cupienter adora,
Qui me primævis converti optabat ab annis. Erst nachdem er sich die Freundschaft der fränkischen Bischöfe und anderer Geistlichen erworben, machte er sich mit der Theologie genauer bekannt; namentlich genoss er den Unterricht des Vaters des Bischofs von Chalons an der Saone(Cabillonum), Agricola(Agrõcula); letzterer war hierin sein Mitschüler; dankbar anerkennt er dies in einem an den genannten Bischof gerichteten Gedichte III, 22, 1— 10:
Cum mea terra manu meruit genitoris arari,
Reddatur nati vomere culta sui.
Nam pater affeclu dulci memorabilis orbi
Me vobiscum uno fovit amore duos;
Corde parens, pastu nutrix, bonis ore magister
Dilexit, coluit, rexit honesta dedit;
Ille pio studio sulcata novalia sevit;
Quod pater effudit hoc mihi semen ale. Ob dieser Lehrer unseres Dichters dieselbe Person mit dem von Gregor. Turon. IV, 24 erwähnten Patricius Agröcula sei, den König Guntram von Burgund am Anfang seiner Regierung des Patriciates enthob, lässt sich nicht entscheiden; des Bischofs Agröcula aber gedenkt Greg. Tur. V, 45 als eines durch Beredsamkeit ausgezeichneten, senatorischem Geschlechte entsprossnen Mannes, der in seiner bischöflichen Residenz viele Gebäude aufführen liess und untern andern auch eine Kirche, die er mit Marmor und musirischer Arbeit ausschmückte.
Uber die Beweggründe, aus welchen Fortunatus Ravenna und Italien verliess, sind wir nicht genau unterrichtet; nur so viel lässt sich aus mehreren Kusserungen desselben entnehmen, dass es nicht sein eigner freier Wille war, der ihn in die Ferne trieb, sondern dass äussere Veranlassungen ihn bestimmten sein Vaterland zu verlassen und sich in der Fremde eine andre Heimat zu suchen; er sagt selbst VI, 10, 5. 6:


