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tern dieſer Anſicht anſchließen. Namentlich dürfen die Zeugniſſe nie zu Gegenſtanden des Rang⸗ ſtreits und der Eitelkeit gemacht werden.
Einige Eltern haben im Laufe dieſes Jahres den Tadel ausgeſprochen, daß wir die Strafe des Nachſitzens zu wenig anwendeten. Mit Bezug darauf bemerke ich, daß nach unſeren Einrich⸗ tungen dieſe Strafe theils dann regelmäßig eintritt, wenn eine Schülerin dreimal nacheinander in das Klaſſenbuch eingeſchrieben wurde, theils nach freiem Ermeſſen der Lehrer bei verſäumter Arbeit, daß wir aber die Arreſtſtrafe in Rückſicht auf das körperliche und geiſtige Wohl der Kinder aller⸗ dings thunlichſt einſchränken. Bei den großen Anſprüchen der Jetztzeit an die Lerukraft der Jugend und die hierdurch bedingte Gefährdung der Geſundheit liegt der Padagogik die ernſteſte Pflicht ob, Alles zu vermeiden, was dieſes Uebel noch vermehrt. Können Lehrer und Eltern ohne Anwendung der Arreſtſtrafe zum Ziele kommen, ſo mögen ſie es mit der größten Entſchiedenheit thun. Es iſt doch ein Zuſtand denkbar, wo die Perſönlichkeit des Lehrers ausreicht, ſein Schüler zu allem Gu⸗ ten zu führen und vom Böſem zurückzuhalten, und dieſem Ziele wird jede pädagogiſch organiſirte Schule wenigſtens zuſtreben, wenn ſie es bei der jetzigen Generation auch nicht völlig zu erreichen vermag. Keinesfalls aber darf die Strenge oder Milde des Schulregiments nach den mehr oder minder harten Mitteln abgemeſſen werden.
E. Phyſiſches Wohl.
Der Geſundheitszuſtand des Lehrerkollegs war recht befriedigend; längere Unterbrechungen ſind gar nicht vorgekommen, und mehrere Mitglieder deſſelben haben auch nicht eine Lehrſtunde ver⸗ ſäumt, Was dankend und lobend erwähnt zu werden verdient.
Unter den jüngeren Kindern herſchten dagegen im Laufe dieſes ungünſtigen Winters, wie überall, ſo auch in Wiesbaden, viel Krankheiten, welche manches Opfer forderten. Auch unſere Anſtalt wurden vier Schülerinnen: Wilhelmine Stuber aus der VII. Kl.; Dora Wiſſel aus der VIII. Kl.; Emilie Wiſſel aus der IX. Kl. und Karoline Nebrich aus der VII. Kl. durch den Tod entriſſen, und wir beklagten dieſen herben Verluſt um ſo inniger, als wir wiſſen, wie viel Hoffnungen den gebeugten Eltern mit den ſo früh Verblichenen zu Grabe getragen wurden.
Zur Erhaltung der Geſundheit und Beförderung körperlicher Ausbildung iſt in unſerer An⸗ ſtalt mit allen Mittel geſorgt, welche im Bereiche der Schule liegen. Das Lokal iſt geſund und bis jetzt ausreichend, und der geſchützte, an der Sonnenſeite des Hauſes liegende Hof, der ſchattige Garten, ſowie der Turnſaal, machen in jeder Jahreszeit und bei jeder Witterung die Benutzung der größeren Pauſen zu Bewegung und körperlichen Uebungen möglich. Das Beſchränken der häuslichen Aufgaben, ſoviel es irgend thunlich iſt, die unentgeltlichen Arbeitsſtunden, in welcher die jüngeren Schülerinnen von den Lehrerinnen und Aſpirantinnen bei Anfertigung der Auf⸗ gaben unterſtützt werden, die unmittelbare Nähe des Turnplatzes, welche die Benutzung deſſelben oahne den geringſten Zeitverluſt ſelbſt mitten zwiſchen den übrigen Lehrſtunden geſtattet,— das Alles iſt darauf berechnet und ſo angeordnet und hergeſtellt, um die ſchädlichen Folgen des Viellernens zu vermindern, und bereits im vorigjährigen Programm ausführlich beſprochen. Ge⸗ ſunder Geiſt im geſunden Körper war und blieb unſer Wahlſpruch, und wir werden keine Mühe und Sorge ſcheuen, ihn immermehr zur Thatſache werden zu laſſen.


