Aufsatz 
Der Rechenunterricht im Spiegel der "natürlichen Methode"
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Ber Kechenunterricht im Spiegel dernatürlichen Methode.

Unſer zu Oſtern v. J. erſchienenes Programm zeichnet die Grundzüge dernatürlichen Methode, der Methode nämlich, welche,das Gute gller übrigen Lehrwege benutzend, der Natur des Gegenſtandes, ſowie der des Lernenden und Lehrenden gleiche Rechnung trägt. Da die betreffende Abhandlung den Dirigenten unſerer Schule zum Verfaſſer hat, ſo läßt ſich erwarten, daß die von ihm ausgeſprochenen methodologiſchen Grundſatze in unſerer Anſtalt, als einem jede Abnor⸗ mitat ausſcheidenden Organismus, nicht blos für den a. a. O. einer näheren Erörterung unterzoge⸗ nen deutſchen Sprachunterricht, ſondern für alle Unterrichtszweige maßgebend ſind. So iſt es in der That; der aufmerkſame Lehrer wird ſich ſchon in der Ueberſicht der behandelten Lehrgegenſtände mehr oder weniger davon überzeugen. Auch der Rechenunterricht, der ſich, weil er des Wortes be⸗ darf, an den Hauptbau, an den Unterricht in der Mutterſprache, anlehnt, und ſeinerſeits allen Wiſ⸗ ſenſchaften zur Stütze dient, inſofern ſie bis zur Genauigkeit des Zahlenbeweiſes vorgeſchritten ſind, oder inſofern ſie überhaupt Quantitätsverhältniſſe anzugeben pflegen, macht hiervon keine Aus⸗ nahme.

Nachfolgende Zeilen ſollen beweiſen, daß dieſe Unterordnung des Rechenunterrichts keine von außen ſtammende iſt, ſondern eine im Weſen des Gegenſtandes begründete. Wir werden zu dem Ende die Axiome der natürlichen Methode aus dem erwähnten Programme nach einander an⸗ führen, und jedesmal die Methode des Rechenunterrichts in dieſem Spiegel betrachten.

l. Der Unterricht ſoll theoretiſch und praktiſch ſein.

Der Rechenunterricht wird dieſer Forderung ſchon dadurch gerecht, daß er reines und ange⸗ wandtes Rechnen unterſcheidet, und dadurch noch weiter, daß jeder dieſer Theile wieder ſeine theore⸗ tiſche und praktiſche Seite hat.

2. Auf die praktiſche Seite des Unterrichts iſt mehr Zeit und Sorgfalt zu verwenden, als auf die Theorie; das Können ſteht höher als das Wiſſen.

üben und Anwenden ſind in der Rechenſtunde bei weitem vorwiegend; ſelbſt das Operiren mit der reinen Zahl wird in manchen Aufgabebüchern als Rechnen mit gleichbenannten Zahlen auf⸗ geführt, und ſo in den unmittelbaren Dienſt der Praxis geſtellt.

3. Der Unterricht muß von der Einſeitigkeit zur Vielſeitigkeit hinüber⸗ führen.

1