— 11—
wegen der unvollkommenen Ausbildung des Reis'schen Te- lephons nicht, mit demselben gute Resultate zu erzielen. Die Experimentatoren liessen sich dadurch abschrecken und suchten zunächst nach anderen Wegen, um zum Ziele zu gelangen. Die Folge davon war, dass das Telephon von Reis in den Ruf kam, dass es sich zum Sprechen nicht eigne. Während es an einer Stelle für ein„philosophisches Spielzeug“ erklärt wurde, erhielt es an einer anderen die Bezeichnung„Tactzühler der Wellen- berge.“¹) Hinderlich für die Anerkennung von Reis war auch noch der Umstand, dass seine telephonischen Arbeiten nur un- vollständig bekannt waren.
Zur Zeit der Centennial-Ausstellung in Philadelphia im Jahre 1876, als Bell, der nach eigener Aussage in seinem Vortrage vom 10. Mai 1876„über elektrische Telephonie“ vor der amerikanischen Akademie der Künste und Wissen- schaften die Erfindung des Reis aus Dinglers Polyt. Journal, aus Kuhns Handbuch u. Legats Artikel kennen gelernt hatte, seine ersten Triumphe mit seinem damals für die Praxis noch durchaus unreifen Telephon feierte, war Reis voll- ständig vergessen. Bell hatte im Jahre 1877 ²) seine bereits im Patente vom Jahre 1876 niedergelegte Idee, den im Principe früher von Reis erfundenen elektromagnetischen Empfänger auch als Sender zu benützen, vervollkommt und die Möglichkeit der Uebertragung der Sprache in die Ferne mit Hilfe der Elek- tricität auf ebenso einfache als sinnreiche Weise nachgewiesen. Er ersetzte bald darauf den Elektromagneten durch einen per- manenten Magneten. ³) Bei der praktischen Verwendung des Mag- nettelephons zeigte es sich aber, dass es wegen der geringen Stärke des in ihm erzeugten Stromes als Sender und Empfänger auf Strecken, die über 20 englische Meilen lang waren,) nicht geeignet und auf kürzeren Strecken nicht verlässlich war. Und als endlich die Bell'sche Telephon-Gesellschaft sich zur Er- reichung praktischer Resultate gezwungen sah, den magnettele- phonischen Sender von Bell durch den mikrophonischen von Blake und bald darauf den Graphit-, beziehungsweise Lampen- russsender von Edison zu ersetzen, da fieng man an, Bells Ansprüche näher zu prüfen, und die allzuhohen Wellen des Enthusiasmus, der seine zweifelsohne grosse Erfindung anfangs begleitete, begannen sich zu glätten
¹) Sc. Am. 1877 Supplem. S. 1495.— Schwartze S. 48.— Gretschel S. 13.— Wochenschrift des österreich. Ingenieur und Architekten Ver. 1877 S. 311.
²) Amerik. Patent vom 30. Jänner 1877 N.ro 186787.
³) Dolbear erhebt Anspruch auf die Priorität dieser Idee, siehe Dolbear Tel. S. 15 und Tel. Syst. S. 17.
¹) Dolbear Tel. S. 4.


