Aufsatz 
Philipp Reis' Telephon : ein Beitrag zur Entwicklungsgeschichte des elektrischen Fernsprechwesens : mit einer Figurentafel / von Leopold Petrik
Entstehung
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Bell hielt zur Zeit, da er seine beiden Patente nahm, das Magnettelephon für das beste. In beiden Patenten beschrieb er keinen Sender, in welchem durch Anderung des Widerstandes am Contacte die Stärke des Stromes, von dem Bell verlangt, dass er continuierlich sei, den Schallwellen entsprechend ver- ändert wird. Er gab im allgemeinen im Patente vom Jahre 1876 an, dass Undulationen des Stromes durch allmählige Vergrösse- rung und Verkleinerung des Widerstandes erzeugt werden können, den Apparat aber, in dem das zustande zu bringen wäre, beschrieb er nicht. Seine Gegner suchten daher sein Patent auf das Mag- nettelephon zu beschränken, indem sie sich auf den Standpunkt stellten, dass ein derartiger Apparat nothwendigerweise einen geschlossenen Strom verwende, der nicht geöffnet werden könne. Dagegen behaupteten sie, dass der Sender, dessen sich die Bell- Gesellschaft bediente, bereits von Reis anticipiert sei. ¹)

Um diesen Punkt drehten sich einige der amerikanischen Patentprocesse, und man fieng an, die Arbeiten von Reis aus dem Schutte der Vergessenheit heraufzuholen und seine An- sprüche zu retten.

Die Erinnerung an die Erfindung von Reis war so weit erloschen, dass ihm die Anhänger Bells die Absicht unterschoben, er habe nichts anderes als ein Musiktelephon erfinden wollen und sei nie darauf ausgegangen, ein Sprechtelephon zu bauen. Reis entdeckte, behaupteten sie ferner, wie man musikalische Töne reproducieren könne, aber er leistete nicht mehr. Vom Anfang bis zum Ende habe er das zugegeben; keiner derjenigen, die über Reis geschrieben haben, theile etwas anderes mit. Als dann aber diese Behauptungen widerlegt wurden und ausserdem gezeigt wurde, dass mit dem Telephon von Reis thatsächlich Sprachlaute reproduciert werden können, beriefen sie sich auf die Theorie vom Undulationsstrome und erklärten, dass diese Leistung nur auf Grund derselben möglich geworden sei. Reis' Apparat sei auf Grund der Theorie der Öffnung und Schliessung des Stromes construiert, somit sei mit ihm die Reproduction articu- lierter Laute unmöglich. Wenn also Reis hie und da Worte aus seinem Apparate erhalten habe, so sei das nur ein Zufall gewesen. ¹)

II. Reis' Sender und Empfänger. Die Gedanken, die Reis bei seiner Erfindung leiteten, sowie die Absicht, die er mit ihr verfolgte, sind aus dem Jahresberichts-

artikel und dem Prospectus der noch hie und da zu finden

¹) Sc. Am. 1888 S. 192.