Aufsatz 
Philipp Reis' Telephon : ein Beitrag zur Entwicklungsgeschichte des elektrischen Fernsprechwesens : mit einer Figurentafel / von Leopold Petrik
Entstehung
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besondere Aufmerksamkeit, sagt Veates in einem Briefe an Thompson. So schön auch dieser Erfolg war und obwohl in den wissenschaftlichen Kreisen Englands bekannt, hinterliess doch das Experiment auch in England kein nachhaltiges, allge- meines Interesse für die Sache.

Ebenfalls im Jahre 1865 verband Wright einen aus 2 Stücken Silberpapier hergestellten Condensator mit dem Sender von Reis und erzielte eine so laute Reproduction von Melodien, dass diese in einer Halle von beträchtlicher Grösse gehört werden konnten; mit der Uebermittlung von Worten scheint er sich nicht beschäftigt zu haben.

Im Jahre 1868 construierte Prof. Van der Weyde, welcher sagt, dass er das Telephon von Reis aus dem Lehrbuche der technischen Physik von Hessler-Pisko kennen gelernt habe, in welchem nur der Sender letzter Form und der Strickdraht- empfänger nicht gerade ausführlich und genau beschrieben sind, ¹) Apparate, die sich von den Originalen nur unwesentlich unter- scheiden. ²) 1870 ersetzte er den Strickdrahtempfänger durch einen elektromagnetischen, der dem von Reis Fig. 12. fast gleich ist. 3) Die Erfolge seiner Versuche waren nicht ermuthigend, denn er fand die Articulation zu schwach und unbestimmt und benützte daher den Apparat nur zur Uebertragung von Musik. Im Jahre 1876 hebt er hervor, veranlasst durch E. Gray's Bericht über die von ihm erfundene Uebertragung von Klängen auf einem Leitungsdrahte mit Hilfe mehrerer Stimmgabeln, dass er mit dem Telephon von Reis nicht nur einzelne Töne, son- dern sogar schon die verwickeltsten Melodien auf grosse Entfer- nungen mit jeder wünschenswerten Deutlichkeit erhalten habe.) Er erklärt es für einen Vorzug des Instrumentes, dass es Me- lodien eines jeden musikalischen Instrumentes und die der mensch- lichen Stimme wiedergeben könne und dass bei dem Apparate keine Stimmgabel verwendet zu werden brauche.

Auch Edison erhielt die Anregung zu seinen telepho- nischen Versuchen von Reis, dessen Telephon er nach seiner Aussage aus dem Legat'schen Artikel kennen gelernt hat, auf welchen er im Juli 1875 aufmerksam gemacht worden war.¹) Er stellte seine ersten Versuche mit dem daselbst beschriebenen Sender Fig. II. an, an welchem er den krummen Contacttheil durch eine mittels einer Schraube regulierbare Platinspitze er- setzte in welcher Form der Sender auch von Reis verfertigt worden war Fig. 13. und dem von ihm erfundenen Resonanz-

¹) Hessler-Pisko S. 648. 14

²) Beschrieben in der Zeitung Manufacturer and Builders Mai 1869. ³) Beschrieben in einem Vortrage im American Institute in Troy. ¹) Sc. Am. 1876 S. 145.

) Prescott S. 110.