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Sein Vortrag vom 26. October 1861, welcher für das Ver- ständnis seiner Erfindung massgebend ist, weil er darin ausführ- lich die Principien mittheilt, auf denen er das Telephon auf- gebaut hat, und der daselbst beschriebene Sender Fig. 5 scheinen bald vergessen und erst nach Bells Erfindung wieder ans Tageslicht gezogen worden zu sein. Auch von dem von Legat verfassten Artikel,¹) in welchem ein grosser Theil des Vortrages enthalten ist, haben bis 1876 nur wenige Kenntnis gehabt. Ebenso ist die Zahl derer, die durch Reis zu telephonischen Arbeiten angeregt worden sind, eine geringe und gar nicht zu vergleichen mit der Zahl jener Namen, die sich nach Bells erstem Auftreten in der Telephonie versucht haben, und nur sporadisch gelangen Nachrichten über Versuche in die Oeffentlichkeit, Reis' Erfindung praktisch zu vervollkommnen.
Böttger, welcher verschiedenen Versuchen von Reis bei- gewohnt hatte, experimentierte auch mit den Apparaten desselben und es ist ihm gelungen, durch das Telephon letzter Construction einzelne Worte zu hören. ²) Pisko dagegen erhielt von dem zu- letzt genannten Telephon sehr schlechte Resultate, da er weder die Tonhõöhe noch die Klangfarbe, sondern bloss den Rhythmus wahr- nehmen konnte.*) Kuhn erhielt von dem Apparate gleicher Construction jede Melodie, welche von C anfieng und im Mittel den ganzen Umfang einer Männerstimme umfasste; in den Sender hineingesprochene Worte gaben sich nur durch ein entsprechendes Geräusch im Empfänger zu erkennen, konnten aber nicht ver- standen werden. Kuhn fand jedoch die Versuche hinlänglich interessant, um die Aufmerksamkeit auf dieselben zu lenken.)
Unter den ersten, die mit dem Sender letzter Form expe- rimentierten, war der Mechaniker S. M. Yeates in Dublin, welcher mit ihm nicht unerhebliche Resultate erzielte.⁵) Er brachte Wasser zwischen die Platinelektroden desselben, um die Unter- brechung des Stromes zu verhindern, verband ihn mit einem elektromagnetischen, von ihm selbständig erfundenen Empfänger, im Wesen ähnlich dem von Reis Fig. 12., und zeigte ihn im November 1865 der Dubliner philosophischen Gesellschaft, bei welcher Gelegenheit er durch denselben Gesang und Worte über- mittelte.6)„Die Stimme eines jeden wurde augenblicklich im Empfänger erkannt, und gerade diese Thatsache erregte seinerzeit
¹) Zeitschrift-Dingler Bd. 169 S. 23-29.
²) Polyt. Notizbl. S. 225.
³) Pisko Neuere App. S. 94.
³) Kuhn S. 1021.
³) Barret S. 81— Thompson S. 128.
²) Auch Reis brachte an dieselbe Stelle und zu demselben Zwecke Wasser, Schwefelsäure und eine Lösung von Kupfervitriol. Dolbear Tel. Syst. S. 13.


