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Ihre Abh. über d. Papyr'’s iſt durchaus ſo gründlich und mit ſo feiner Kritik geſchrieben, daß ich ſie noch oft mit Vergnügen leſen werde. Denn wenn ich gleich vorhin ſchon über das letzte Reſul⸗ tat mit Ihnen übereinſtimmte(ich hatte mir das Zeitalter der Einführung zwiſchen Olymp. 30— 40 beſtimmt) ſo habe ich doch auf den Wegen, die Sie führen, ſo viel neues gelernt, was ich bei meiner Langſamkeit nicht wohl in 4 Wochen hätte aufbringen können. Laſſen Sie ſich dieſe candida professio eine Einladung ſein, die andern ehemals ſchon vorgeſetzten Materien bald auszuführen, vorzüglich die von den Symboli. Die filii philologorum ſollen ſie hie und da ſogar mit den symbolae verwechſeln. Auch aus Reiſebeſchreibungen könnte ich hierüber vielleicht etwas beitragen, wenn erſt meine Papiere wieder in Ordnung ſind.
Das fragment Brief— wie konnten Sie denken, daß ich den Steller einen Spitzkopf nennen würde 29¹ das iſt ein recht guter Kopf und ein guter Mann dazu. Die Zweifel?s aber ſind mir vor dem Schreiben meines Buches oft genug im occiput u. synciput(sic!) herumgelaufen, daß ſie mich itzo nicht mehr erſchrecken konnten. Ich bin gewiß, Sie auch nicht. Allerdings könnte mehreres gradeſo ſeyn, wie der Verf. meint; aber daß es anders war, lehren die übrigen Momente auf der Wag⸗ ſchaale, u. ich meine noch gar nicht die kritiſchen, ſondern eben die hiſtoriſchen, die ſchon ausge— führt, wenigſtens angegeben ſind. Das einzige kam mir in dem Briefe ſonderbar vor: daß er thut, als ob dieß u. das ſich ſchon längſt von ſelbſt verſtanden, wie z. Ex., daß der Dichter im Anfange ſo gar nicht auf die Idee gekommen wäre, ein Werk von gröſſerem Umfange zu machen.— Woraus er⸗ hellte denn das ſonſt? Daß der brave Schütz nur nicht über das Unglück ſeiner Prediger⸗Vergleichung““ böſe werde.— Wielands Einleitung?? war für mich, zumal für itzige Friſt, ein Balſam der edelſten
9s Siehe den Brief vom 2. Mai 95 und dazu n. 14.
⁴ Am 24. März 96 ſchrieb Böttiger:„Wer aber der Leipziger Spitzkopf iſt, der den namenloſen Brief an Wieland geſchickt hat, kann ich nicht ſagen, da W. durchaus nicht beichten will. Sie werden den armen Zweifler unter die Menſchen ſetzen, die, wie der Apoſtel ſagt, unbeſchnitten ſind an Herzen und Ohren. Aber es iſt doch gut, daß die Sache von allen Seiten in Anregung kommt.“— Dieſen anonymen Aufſatz bezeichnet Volkmann(a. a. O. S. 101 n. 1) als einen„ganz wertloſen und unklaren“. Er ſtand im N. T. Merkur 1796. S. 328—336 unter dem Titel:„Einige Zweifel über die in den Wolfiſchen Prolegomenis zum Homer aufgeſtellte Hypotheſe.“ Unterzeichnet iſt er mit„... dt“; eine Bemerkung unter dem Titel bezeichnet ihn als„Auszug aus einem Schreiben, Leipzig, den 14ten Februar 1796 an einen Freund.“— In einem Briefe an Schütz, vom 15. Sept. 1796, aus Leipzig, bekennt ſich Eichſtädt als den Verfaſſer„des unbedeutenden kleinen Aufſatzes über die Wolfiſchen Prolegom. zum Homer in Wielands Merkur.“ Vergl. Briefe an Schütz S. I, 73.
*5 Eichſtädt beſpricht im weſentlichen nur die Idee, daß Homer nicht urſprünglich einheitliche Werke ge⸗ ſchrieben habe, ſondern ſeine Gedichte allmählich in einem längern Zeitraum abgefaßt und in„mehreren Recitazionen“ vorgetragen haben könnte und begründet die Einheit des Verfaſſers mit der„Wohlordnung“ der Gedichte; die Zweifel gegen dieſe weiſt er mit dem„quandoque dormitat bonus H.“ ab.
*6 In ſeiner Recenſion(A. L.⸗Z. v. 26. Jan. 1796, S. 266) ſucht Schütz die Wolfſche Behauptung, Homer habe unmöglich ein Werk von ſolchem Umfange für Hörer dichten können, durch die Analogie zu ſtützen, keinem Ho⸗ mileten würde es einfallen Predigten für Zuhörer auszuarbeiten,„zu deren Haltung und Anhörung ein ganzer Tag erforderlich“ ſei. Dieſer gewiß ſeltſame Vergleich giebt Eichſtädt(a. a. O. S. 331) Anlaß zu einer etwas beißenden Abweiſung.
Wieland hatte den Eichſtädtſchen Aufſatz mit einer für Wolf ſehr ſchmeichelhaften Anumerkung begleitet, in der er wünſcht,„daß Hr. Prof. Wolf ſelbſt die Zweifel ſeiner Beurtheilung und Auflöſung würdig halten möge.“


