Aufsatz 
Einige Bemerkungen über die wichtigsten Unterrichtsgegenstände unserer Gelehrtenschulen, insbesondere der Pädagogien / [Conrector Metzger]
Entstehung
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Einflößung allgemeiner Menſchenliebe iſt die erſte religiöſe Blüthe, welche in dem Gemüthe des Kindes gepflegt werden ſoll, und zu dieſer führt die kindliche Liebe, welche beim religiöſen Unterrichte in demſelben dauernd gemacht werden muß. Hieran alſo die Anregung der allgemeinen Menſchenliebe knüpfend bringe man, ohne ſtrenges Verfolgen eines Syſtems, die Lehre von den Pflichten gegen ſeine Neben⸗ menſchen bei; und in dieſem Punkte möchten neben der bibliſchen Geſchichte noch moraliſche Erzählungen aus bewährten Schriftſtellern ausgewählt werden. Iſt der kindliche Sinn in der Liebe zu den Aeltern und in der Verehrung derſelben erſtarkt; ſo kann, da ihm die Idee des Vaters klar geworden iſt, die Lehre von Gott, als dem Vater aller Menſchen, dem Schöpfer, Erhalter und Regierer der Welt, tiefere Wurzeln faſſen; die Gefühle des Gehorſams, des Dankes, des Vertrauens werden daun leichter entwickelt. Eng mit dieſer Lehre von Gott verbunden können ſofort die Begriffe vom Guten und Böſen, vom Gewiſſen und der Freiheit des Menſchen aufgeſtellt, der himmliſche Vater als den Urheber alles Guten dargeſtellt und ſo die Gefühle der Frömmigkeit geweckt werden.

In einem weitern Curſus bleibt im Ganzen derſelbe Geiſt des Unterrichts und dieſelbe Methode; nur kann, da mit ſpätern Jahren der Schüler zu einer größeren Reife des Verſtandes gelangt iſt, dieſer Unterricht alsdann etwas höher geſteigert werden. Indeſſen darf man aber bei dieſem zugleich für den Verſtand berechneten Vortrage nicht ſtehen bleiben, ſondern ein faktiſcher Unterricht muß damit verbunden werden, ohne welchen die religiöſe Bildung mangelhaft, beſonders im Gemüthe, bleiben muß; daher man auch, um nur einen Punkt anzugeben, den Unterricht jeden Morgen mit einem Gebete oder religiöſen Geſange beginnt.

Außer den ſo eben ganz obenhin betrachteten Lehrgegenſtänden, deren Dar⸗ ſtellung größtentheils die Jugendbildung auf den Pädagogien betraf, werden in den obern Claſſen des Landes⸗Gymnaſiums noch die Encyelopädie der Wiſſeſchaften, Literaturgeſchichte, philoſophiſche Propädeutik, Theorie der ſchönen Künſte und Wiſſen⸗ ſchaften vorgetragen, welche näher zu erörtern zu weit führen würde. Daher mögen nur noch einige mehr die Kunſtfertigkeiten, ſowie die körperlichen Uebungen betreffenden Gegenſtände angeführt werden, welche man, ihren oft verkannten Werth für das geſammte Geſchäfts⸗ und geſellſchaftliche Leben anerkennend, in unſern Tagen in ihre Rechte wieder eingeſetzt hat.

Calligraphie.

Betrachtet man unſer heutiges Leben in allen ſeinen Verzweigungen und 3