Aufsatz 
Einige Bemerkungen über die wichtigsten Unterrichtsgegenstände unserer Gelehrtenschulen, insbesondere der Pädagogien / [Conrector Metzger]
Entstehung
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kommen geeignet iſt. Ein Bindungsmittel beider bietet ſich denn nun in der chrono⸗ graphiſchen Geſchichte dar, welche die Völker nach Jahrhunderten nebeneinander ſtellt.

Die Menſchengeſchichte iſt von einem Umfange, wie kaum eine andere Wiſſen⸗ ſchaft, und es ſcheint alſo, da man bei dem Jugendunterrichte dieſelbe nicht einmal in einigen Theilen dieſes Umfanges erſchöpfen kann, eine Schwierigkeit in der Wahl des zu behandelnden Stoffes zu liegen. Auch in dieſer Hinſicht iſt auf unſern An⸗ ſtalten für dieſen Unterrichtsgegenſtand geſorgt, indem in den untern Claſſen die Jugend mit den Hauptbegebenheiten der ganzen Geſchichte bekannt gemacht und ſo im Allgemeinen in die Geſchichte eingeführt wird, dabei mit einiger Ausführlichkeit Erzählungen gegeben werden, die für die Jugend beſonders anziehend ſind, und indem ſo fortgeſchritten wird, wird endlich die Geſchichte der hiſtoriſch am meiſten ausgezeichneten Völker gegeben. Hierbei wird aber nie vergeſſen, die Geſchichte ein⸗ zelner, für die Menſchheit theils verdienſtvoller, theils überhaupt merkwürdiger und einflußreicher Männer nach ihrer Individualität darzuſtellen; denn ohne dieſe Indi⸗ vidualität gibt es keine Geſchichte. Wir dürfen hier nur auf Alerxander, Cäſar, Socrates ſehen, von denen einer mehr werth iſt, als alle Cappadocier.

Allgemeine KReligion.

Was Religion iſt und wie ſie ſich bei den verſchiedenen, ſowohl alten als neuen Völkern äußert, im Zuſammenhange darzuſtellen, iſt nicht Zweck dieſer Zeilen. Nur einige Bemerkungen, dieſen Gegenſtand betreffend, mögen hier eine Stelle finden.

Da der Zweck dieſes Unterrichts auf unſern Anſtalten nicht die Geſchichte der Religion ſein kann, wovon das Wiſſenswürdigſte zugleich mit der allgemeinen Welt⸗ geſchichte vorgetragen werden kann; ſo wird beſonders die Erweckung des religiöſen Gefühls, Darſtellung der Grundwahrheiten unſerer Religion mit den zunächſt daraus entſpringenden Lehren der Hauptgegenſtand dieſes Unterrichts ausmachen müſſen. Zur Erweckung dieſes religiöſen Gefühls bietet ſich aber bei einem ſelbſt von reli⸗ giöſen Gefühlen durchdrungenen Lehrer in vielen andern Unterrichtsgegenſtänden ziem⸗ lich viel Stoff dar, daher wohl auch die für den allgemeinen Religionsunterricht angeſetzte Stundenzahl nicht von dem Umfang zu ſein braucht, als bei andern Lehr⸗ gegenſtänden; weßhalb auf unſern Gelehrten⸗Schulen nur eine Stunde wöchentlich dafür anberaumt iſt. Der Unterricht beginnt ſchon mit der unterſten Claſſe.

Da in den Jahren, worin Knaben dieſe Anſtalt zu beſuchen anfangen, dieſelben, ſofern ſie nicht durch äußere von der Schule ferne liegende Urſachen verdorben ſind, den einfachen Geſetzen der Natur folgen und einen rein⸗kindlichen Sinn haben; ſo ſuche man ſie bei dieſem kindlichen Sinne zu erhalten, und verneide ſorgfältig einen breiten Vortrag, geſteigerte Gefühle.