Aufsatz 
Einige Bemerkungen über die wichtigsten Unterrichtsgegenstände unserer Gelehrtenschulen, insbesondere der Pädagogien / [Conrector Metzger]
Entstehung
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jedoch übergangen werden können, weil man vorausſetzen darf, daß jeder Gebildete einſieht, in welchem Sinne hier das Wort Geſchichte genommen iſt.

Der große römiſche Redner ſagt:Das nicht wiſſen, was vor uns geſchehen iſt, heißt immer ein Kind bleiben. Denn was iſt das Leben des Menſchen, wenn nicht unſere Zeit mit dem Andenken an frühere Zeiten verbunden wird? Aufgabe der Geſchichte iſt, das, was ſich von dem Gange der Entwicklung des Menſchen⸗ geſchlechts irgend ausmitteln läßt, beſonders in Rückſicht auf Staat und Cultur, zu ſammeln und in einem gleichſam zauberiſchen Gemälde unſern Blicken vorzulegen. Welches weite Feld öffnet ſich uns hier nicht allein zur Befriedigung der Neugierde, ſondern auch zum Nutzen, zur Belehrung und zur Unterhaltung! Sie führt uns zu der ſo wichtigen Kenntniß der Menſchen, verlängert gewiſſermaßen unſer ſo kurzes Leben um Jabhrtauſende ꝛc. Aber auch ſelbſt in die bürgerlichen Geſchäfte dringt ſie ein und dient zu einer würdigen Vorbereitung zu denſelben. Doch in weitläuftige Auseinanderſetzungen des Nutzens der Geſchichte einzugehen, erſcheint höchſt überflüſſig, da nur das wiederholt würde, was tauſendfältig darüber mit der größten Gründ⸗ lichkeit geſagt worden iſt. Nur ein Wort von dem Gange des Unterrichts in derſelben und den dabei anzuwenden Hilfswiſſenſchaften wird hier eine Stelle finden können.

In Hinſicht auf den geſchichtlichen Unterricht treten dieſelben Meinungsver⸗ ſchiedenheiten ein, welche bei dem eben berührten Lehrgegenſtande angeführt wurden. Mag man nun dieſer oder jener Anſicht beitreten, ſo können doch im Allgemeinen ewiſſe Punkte feſtgeſetzt werden, welche bei jedem geſchichtlichen Vortrage zu beachten din möchten.

Zwei Gegenſtände dürfen bei dieſem Unterrichte nicht herſchen werden, die Geographie und die Chronologie, welche mit Recht die Augen der Geſchichte genannt werden, da durch ſie der Schauplatz der Begebenheiten und der Zuſammenhang derſelben dargeſtellt werden. Was aber insbeſondere die Chronologie betrifft, ſo ſollten die Jahreszahlen nicht in zu großer Maſſe angegeben werden, welches auch Anwendung findet auf die Namen und Regentenreihen; vielmehr ſuche man, die einzelnen Begebenheiten klar und in ihrem Zuſammenhange darzuſtellen, und gebe den jedesmaligen Zuſtand des Volkes und der Länder an, die auf die Entwickelung der folgenden Verhältniſſe, oder Zerſtörung der beſtehenden, den meiſten Einfluß ge⸗ äußert haben.

Was die ſogenannte pbiloſophiſche Behandlung der Geſchichte anbelangt, ſo wird dieſelbe auf unſern Anſtalten nicht verlangt und mit Recht; denn das Urtheil über Begebenheiten, in ſoweit das jugendliche Alter es erlaubt, muß ſich bei zweck⸗ mäßigem Vortrage bei dem Zuhörer oder Lernenden von ſelbſt bilden.

Verfolgen wir weiter den geſchichtlichen Unterricht, ſo bieten ſich zwei ent⸗ gegengeſetzte Methoden dar, nämlich der Synchronismus und die Ethnographie, wovon weder die eine noch die andere, einzeln daſtehend, für den Unterricht voll⸗