Aufsatz 
Einige Bemerkungen über die wichtigsten Unterrichtsgegenstände unserer Gelehrtenschulen, insbesondere der Pädagogien / [Conrector Metzger]
Entstehung
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mit den übrigen Sprachen geringen Zeitaufwand, der zu dieſen Sprachen erfoderlich iſt, nicht bereuen. 1

In Erwägung aller aus beiden Sprachen zu ziehenden beträchtlichen Vortheile für das praktiſche Geſchäftsleben, ſo wie für die formelle Verſtandesbildung iſt Sorge dafür getragen worden, daß auf unſerm Landes⸗Gymnaſium jeder, wenn auch nicht durch öffentlichen, doch durch Privatunterricht in den Stand geſetzt werden kann, ſich eine gewiſſe Bekanntſchaft mit beiden Sprachen zu erwerben.

Mathematische Wissenschaften.

Ueber die Zweckmäßigkeit oder Unzweckmäßigkeit des Unterrichts in dieſem Lehrgegenſtande an den Gelehrten⸗Schulen finden noch hin und wieder die einander widerſprechendſten Meinungen Statt, ſo daß einige denſelben als das höchſte Erfo⸗ derniß aller Geiſtescultur, ſogar mit Verachtung anderer höchſt einflußreicher Gegen⸗ ſtänge anſehen, andere dagegen die Nützlichkeit deſſelben verläugnend ihn aus dem öffentlichen Unterrichte verbannt wiſſen wollen. Es unterliegt aber gewiß keinem Zweifel, daß von jedem wiſſenſchaftlich gebildeten Manne wenigſtens ſo viel in der Bekanntſchaft mit dieſem Lehrzweige gefodert werden muß, als geſchehen kann, ohne daß man jeden einzelnen Theil deſſelben erſchöpft. Daß der Ort, wo man Kennt⸗ niſſe in denſelben erlangt, die Univerſität nicht ſein kann, leuchtet jedem gewiß ein, wenn er bedenkt, daß die Jünglinge, welche ſich einer andern Wiſſenſchaft befleißigen, bei den wenigen Jahren ihres dortigen Aufenthaltes nur wenig Zeit für die Mathe⸗ matik übrig behalten, und ferner der Vortrag derſelben auf Univerſitäten beſtimmt abgeſchloſſen iſt, ſo daß vieles davon ausgeſchloſſen iſt, was wieder andern Vorle⸗ ſungen hingewieſen wird.

Nach dem ſo eben angeführten Grunde wären alſo die Pädagogien und das Gymnaſium die Orte dieſes Unterrichts. Hier entſteht nun die Frage, in welchem Umfange derſelbe müſſe Statt finden und welche Methode dabei zu beobachten ſei. Da es aber nicht in meiner Anſicht liegt, einen Lehrplan für Gelehrten⸗Schulen zu entwerfen; ſo wird es mir erlaſſen werden können, in jeden einzelnen Punkt dieſer Wiſſenſchaften einzugehen, ſondern es möge mir geſtattet werden, nur einige ver⸗ ſchiedenartige Foderungen, die an dieſen Unterricht im gewöhnlichen Leben gemacht werden, nebencinander zu ſtellen und zu ſehen, in wie weit es möglich gemacht wird, der einen oder der andern zu entſprechen.

Der Eine, welcher ſeinen Sohn durch wiſſenſchaftliche Bildung zum Handels⸗ ſtande vo rzubereiten wünſcht, verlangte wohl, daß zum einzigen Gegenſtande dieſes Unterrichts der arithmetiſche Curſus, ein Anderer, deſſen Sohn ſich die Architektur zum Fachſtudium erwählt hat, wünſcht vorzüglich die Geometrie berückſichtigt, ohne zu bedenken, daß es kein Zweck unſerer Anſtalten ſein kann, Kaufleute, Architekten u. ſ. w.