Anforderung geſtellt werden können, einmal wenigſtens in der Urſprache die Urkunden unſerer Religion geleſen zu haben.
Von der Stelle der franzöſiſchen Sprache, welche dieſelbe heutzutage in Bezug auf die geſellſchaftlichen Verhältniſſe unter den lebenden fremden Sprachen einnimmt, iſt ſchon am gehörigen Orte geſprochen worden. Hier mögen noch einige Worte über zwei andere neuere Sprachen nicht am unrechten Platze ſein, ich meine
Die Englische und Jtalienische Sprache.
England, worin die Induſtrie und das Handelsweſen und die damit zuſam⸗ menhängenden mechaniſchen Fertigkeiten die höchſte Stufe der Vollkommenheit erreicht haben, äußert in dieſer Hinſicht einen entſchiedenen Einfluß auf faſt alle civiliſirte Völker, alſo auch auf die Deutſchen. Beſonders nahe ſteht ihm Norddeutſchland hinſichtlich der commerciellen und induſtriellen Verhältniſſe, und daher iſt es nicht zu verwundern, daß das Engliſche in den Handelsſtädten Nord⸗Deutſchlands ſogar Sprache des geſellſchaftlichen Umgangs geworden iſt, wodurch es dann wieder ruͤck⸗ wirkt auf die übrigen Theile Deutſchlands.
Was von dem Engliſchen in Nord⸗Deutſchland in dieſer Beziehung gilt, daſſelbe läßt ſich bei dem Italieniſchen in Rückſicht auf einige Theile Süd⸗Deutſch⸗ lands anwenden.
Nicht aber aus dieſen Rückſichten allein, ſondern auch in Betracht der ausge⸗ zeichneten Werke in allen Theilen der Wiſſenſchaften und Künſte, welche ſich in beiden Sprachen vorfinden, verdienen dieſelben, wo möglich, eine Stelle in der Jugendbildung, wenn auch erſt in den Claſſen des Gymnaſiums. Der Einwand, man habe ja von den beſten und meiſten dieſer Werke Ueberſetzungen, fällt hinweg, wenn man den Urtert derſelben mit der Ueberſetzung vergleicht, und einſieht, in welchen Schatten letztere, mit dem Original verglichen, geſtellt ſind, und wie oft der durch ein ſolches Werk wehende Geiſt verſchwunden iſt. Freilich ſtand früher ein Hinderniß der Verbreitung der engliſchen Literatur im Wege, nämlich die Sel⸗ tenheit und Koſtbarkeit derſelben. Dieſes i*ſt aber jetzt beſeitigt, da man eine große Anzahl engliſcher Werke zu ſehr billigen Preiſen haben kann. Noch billiger waren und ſind die Ausgaben der italieniſchen Claſſiker, die zum Theil ſo oft gedruckt ſind, daß man ſie ohne die geringſte Schwierigkeit durch die mit Italien in Verbindung ſtehenden Buchhandlungen erhalten kann.— Mögen nun auch die Einzelnen ſpäter in dieſes oder jenes Verhältniß treten, ſo werden ſie ſicherlich den vergleichungsweiſe
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