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ſo fodert dieß ein eignes Studium, welches nicht einen Zweig des allgemeinen Schulunterrichts bilden kann.
Obgleich nun die für den geſammten griechiſchen Curſus beſtimmten Stunden geringer an Zahl ſind, als es im Lateiniſchen der Fall iſt, dieſelbe ſchon Feſtigkeit in andern Sprachen vorausſetzt und daher der Unterricht derſelben ſehr weiſe auf unſern Pädagogien erſt mit der zweiten Claſſe beginnt: ſo kann doch jeder die Ge⸗ lehrten⸗Schulen beſuchender Schüler bei zweckmäßiger Methode des ganzen Unter⸗ richts in der erſten Claſſe des Gymnaſiums im Stande ſein, ſchwerere Proſaiker nicht nur, ſondern auch Tragödien der berühmteſten Meiſter zu leſen.
Uebrigens ſind in der griechiſchen Sprache Meiſterwerke von Geiſtesprodukten in allen Zweigen niedergelegt, und es bedarf wohl keiner beſondern Erörterung, daß das Verſtehen griechiſcher Claſſiker von entſchiedener Wichtigkeit für die formelle Bildung iſt. Hierbei muß aber eine ſorgfältige Auswahl der zu leſenden Werke beachtet werden und es iſt nicht zu empfehlen, daß nach Ueberwindung der erſten grammatiſchen Schwierigkeiten ſchon zum Leſen ſolcher Hiſtoriker und Poeten ge⸗ ſchritten wird, die im Joniſchen Dialekte geſchrieben ſind, weil der Schüler bei den von der gewöhnlichen Sprache abweichenden Formen erſt wieder auf jene zurückge⸗ führt werden muß, um das Vergeſſen der erſteren zu verhindern.
Die in dieſem Dialekte geſchriebenen Werke werden daher auch erſt in den Claſſen geleſen, worin der Schüler ſich eine ſo große Feſtigkeit in den Formen erworben hat, daß eine Verwechslung beider bei ihm nicht leicht mehr vorauszu⸗ ſetzen iſt. 2
Hebräische Sprache.
Daß dieſe nicht unberückſichtigt bleiben dürfe, hat man ebenfalls eingeſehen und Sorge dafür getragen, daß dem künftigen Theologen oder Philologen, denn kein ſich andern Zweigen widmender Schüler des Gymnaſiums iſt zur Theilnahme des Unterrichts in derſelben verpflichtet, das Studium derſelben durch eine zweck⸗ mäßige Methode des Unterrichts möglichſt erleichtert werde.
Man hat zwar auch das Erlernen des Hebräiſchen, inſofern es von Theologen verlangt wird, vielfach angegriffen und als unnütz dargeſtellt, weil ſie daſſelbe in ihrer praktiſchen Wirkſamkeit nicht bedürften. Wenn nun aber von jedem nur einiger⸗ maßen auf Bildung Anſpruch machenden Manne verlangt wird, daß er ſich genaue Bekanntſchaft mit gewiſſen freilich wohl in der Mutterſprache geſchriebenen oder doch in dieſelbe überſetzten Werke, verſchafft habe, Werke, die für ihn nicht die geringſte praktiſche oder ethiſche Bedeutung haben, worunter ſogar ganz gewöhn⸗ liche Romane gehören; ſo wird unſtreitig von jedem vorurtheilsfreien und nicht ganz einem groben Materialismus huldigenden Manne an jeden künftigen Theologen die


