nun freilich für den vortragenden Lehrer, beſonders wenn er Philologe von Fach iſt, alles Intereſſe; mancher gefällt ſich hier, tief einzugehen in— ich möchte faſt ſagen— grammatiſche Spitzfindigkeiten; er zeigt ſich als gründlichen Kritiker, Archäo⸗ logen u. ſ. w., ohne zu bedenken, daß der bei weitem größere Theil ſeiner Schüler wenig oder gar kein Intereſſe an dergleichen Erörterungen findet.
Obgleich ich nun weit entfernt bin, die als Hilfsmittel zum Verſtehen der Claſſiker dienenden Wiſſenſchaften von dem Vortrage derſelben auszuſchließen; ſo ſollte doch wohl der Lehrer nicht länger bei denſelben ſtehen bleiben, als das Löſen der Schwicrigkeit nöthig macht, da das Leſen der Claſſiker die vertraute Bekannt⸗ ſchaft mit denſelben zum Hauptzwecke hat, wodurch der Sinn für das Wahre, Schöne und Gute gebildet und geſtärkt werden ſoll.
Findet der Unterricht im Lateiniſchen auf vorbemeldete Weiſe Statt, welche wirklich als die durchgehende Idee bei demſelben auf unſern Anſtalten angeſehen wird; ſo wird aller Zweifel ſchwinden, daß durch denſelben nicht bloß der praktiſche Vortheil des Lernenden, ſondern auch die allgemeine Verſtandes⸗Cultur deſſelben ſehr zweckmäßig befördert wird.
Griechische Sprache.
Dieſe durch ihren Reichthum und ihre Eleganz höchſt anmuthige Sprache iſt in den ehrenvollen Rang, der ihr in der Schulbildung gebührt und der ihr deßungeachtet eine lange Reihe von Jahren hindurch verweigert wurde, in den neuern Zeiten wieder eingetreten. Da jedoch das Studium derſelben nicht ſo ſtrenge von denen verlangt wird, welche ſpäter höchſt ſelten oder gar keinen Gebrauch davon machen können; ſo hat man in neuern Zeiten, den materiellen Nutzen der ſtudirenden Jugend mehr ins Auge faſſend, daſſelbe auch nicht auf alle Studirende ausgedehnt und in dieſem Unterrichte Ausnahmen eintreten laſſen, weil der auf dieſes Studium wegen ſeiner Schwierigkeit aufgebotene Zeitaufwand auf andere dem jedesmaligen Zwecke des Lernenden angemeſſenere Gegenſtände verwendet werden könne. Man hat demnach wohl nicht nöthig, bei allen obwaltenden Schwierig⸗ keiten, im Vortrage des Griechiſchen ſo weit zu gehen, als es auf manchen An⸗ ſtalten geſchieht.
Freilich muß der Philologe ſich gründliche Kenntniſſe darin verſchaffen; aber dieſe machen einen Theil ſeiner ſpeciellen Studien aus, die er ſich noch beſonders auf den Univerſitäten, theils durch pbhilologiſche Collegien, theils durch Selbſtſtudium erwerben muß. Was den der Theologie ſich widmenden Jüngling hinſichtlich des Griechiſchen betrifft, ſo wird er auf unſern Anſtalten freilich auch hinlänglich dazu vorbereitet; weil jedoch das Griechiſche des neuen Teſtamentes und anderer kirchlichen Schriftſteller von der alt⸗claſſiſchen Sprache in mancherlei Beziehungen abweicht,


