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ſchlummerten und alſo nicht zu ſo allgemeinem Gebrauche, wie in unſern Tagen, geeignet waren.—
Durch die Römiſche Weltherrſchaft wurden mehrere lebende Sprachen, wie die Italieniſche, Spaniſche, Franzöſiſche, Tochterſprachen der Lateiniſchen, und die Kenntniß derſelben iſt alſo ſchon in Hinſicht auf das materielle Intereſſe von höchſter Wichtigkeit für die den genannten Sprachen aus was immer für Urſachen ſich widmenden Jünglinge. Ueberlegt man ferner die Unentbehrlichkeit derſelben für den Theologen, den Juriſten, den Mediciner, ſo wird die Zeit, welche nach verkehrten Anſichten an dieſelbe verſchwendet wird, zu dem größten Nutzen angewendet werden.—
Würde ich hier in eine weitläufige Erörterung aller der vortrefflichen Werke eingehen, die in dieſer Sprache für alle Zweige menſchlichen Wiſſens verfaßt ſind; ſo würde dieß zu weit von dem vorgeſtreckten Ziele abführen, da man dieſes ohnehin von jedem mit gelehrten Schulkenntniſſen einigermaßen vertrauten Manne gekannt vorausſetzen darf.
Bei Erlernung dieſer Sprache erhalten die Zöglinge gelehrter Schulen am zweckmäßigſten ihre allgemeine grammatiſche Bildung, daher ſie unter allen übrigen von ihren erſten Elementen an gründlich erlernt werden muß. Durch ſie muß ſich der Schüler an Sprachſtudium gewöhnen und ſich daher in derſelben eine bedeutende Fertigkeit erwerben. Daraus geht denn hervor, daß mit Recht, beſonders in den unteren Claſſen, wie es auch auf unſeren Anſtalten geſchieht, mehr Zeit auf ihre Erlernung, als auf andere Sprachen, verwendet wird. Von ihrer Wichiigkeit zeugt ferner, daß Leute, die durch mancherlei Zufälligkeiten, die zum Theil in den Zeitverhältniſſen liegen, ſich keine Fertigkeit in dieſer Sprache erwerben konnten, übrigens achtbare und tüchtige Männer ſind, geſtehen, wie ſehr ſie den Mangel an dieſem Unterrichte unabläſſig bedauerten.
Wie es nach meinem Urtheile bei allen Sprachſtudien geſchehen muß, daß man nach Erlernung der Formenlehre ſogleich zur Lectüre übergehe, ſo findet dieß natürlich auch beim Lateiniſchen ſeine Anwendung. Denn jedes Studium der Syntar ohne vorausgegangene Lectüre, iſt ſchwierig, ermüdet, dagegen leichter, anziehender, wenn der Schuͤler ſchon durch das Leſen mit der Sprache bekannter geworden iſt. Nur was zur Lectüre unumgänglich nothwendig iſt, muß der erſte Unterricht in der Syntax umfaſſen. Uebungen im Ueberſetzen aus dem Deutſchen ins Lateiniſche beziehen ſich Anfangs auf die Formenlehre, dann erſt auf die Syntax, wenn bereits durch Lectüre Bekanntſchaft mit jener erworben iſt.
Ein für die ganze geiſtige Richtung der ſich gelehrten Studien widmenden Jugend höchſt wichtiger Punkt iſt die Erläuterung der alten Schriftſteller. Obgleich dieſe erſt dann geleſen werden, wenn der Schüler die wichtigſten ſyntaktiſchen Regeln ſchon in ſeiner Gewalt hat; ſo bieten ſich bei dem Erklären derſelben immer noch grammatiſche und ſonſtige Schwierigkeiten dar. Die Unterſuchung der letztern hat


