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äußert, ſondern auch ihre Wichtigkeit in Hinſicht des geſellſchaftlichen Lebens, hat derſelben in dem Lehrplane ebenfalls eine Stelle angewieſen. Bei dieſer Sprache wird aber nicht bloß ein Verſtehen und correktes Schreiben gefodert, ſondern auch das Sprechen ſoll als Zweck dieſes Unterrichts angeſehen werden. Da dieſes Spre⸗ chen aber täglich fortgeſetzte Uebung verlangt, ſo iſt dieſes in Gelehrten-Schulen wegen der wenigen Stunden, die dieſem Lehrgegenſtande gewidmet werden können, oft auch wegen der Anzahl der Schüler mit Schwierigkeiten verknüpft. Es wäre alſo hier blos zu beſtimmen, was denn nothwendig gelehrt werden muß und auch wirklich gelehrt wird.
Nach Ueberwindung einer Hauptſchwierigkeit, welche die richtige Ausſprache darbietet, weil manche dem Franzöſiſchen eigenthümliche Laute dem Deutſchen fehlen, wird auf unſern Anſtalten gründlicher Unterricht in der franzöſiſchen Grammatik ertheilt und Fertigkeit im Schreiben nicht nur durch Ueberſetzen aus dem Deutſchen, ſondern in den obern Gymnaſial⸗Claſſen durch freie Aufſätze bezweckt. Hierbei wird dann freilich ein Haupterfoderniß ſein, daß der Schüler ſich durch häufiges Leſen einen gewiſſen Tact im Franzöſiſchen bildet und franzöſiſch denken lernt. Auch hierzu ſind dem Schüler auf unſerm Gymnaſium ziemlich reiche Mittel an die Hand gegeben, da daſſelbe in ſeiner Bibliotbek paſſende Bücher aus allen geeigneten Fächern beſitzt, worin jeder nach ſeiner Befähigung und ſeiner Neigung Befriedigung findet.
Wenn nun auch der Schüler beim Verlaſſen des Gymnaſiums noch keine zureichende Uebung im Sprechen beſitzt, ſo muß er doch, beſonders da in höhern Claſſen des Gymnaſiums der Lehrer meiſtens franzöſiſch zu denſelben ſpricht, hinläng⸗ lich dazu vorbereitet ſein. Alſo iſt auch für dieſen Unterrichtszweig auf unſern Anſtalten ſo viel gethan, als nur die Umſtände und die von den übrigen Lehr⸗ gegenſtänden in Anſpruch genommene Zeit geſtatten.
Lateinische Sprache.
Auf dieſe Sprache, die ſowohl wegen ihres innern Gehalts, als des Einfluſſes, den ſie auf wiſſenſchaftliche Fächer und auf vicle noch von ganzen Voͤlkern geſpro⸗ chene Sprachen äußert, unbezweifelt eine höchſt bedeutende Stelle in der geſammten Menſchenbildung einnimmt, muß auf unſeren Gelehrten⸗Schulen ein beſonderes Augenmerk gerichtet werden.
Freilich leben wir glücklicher Weiſe nicht mehr in jenen Zeiten, wo die lateini⸗ ſche Sprache nicht bloß gelehrte Schriftſprache, ſondern auch in mannichfacher Beziehung Converſations⸗Sprache war, in welchen ſie alſo beim Unterrichte vor allen andern Gegenſtänden berückſichtigt wurde und berückſichtigt werden mußte, weil andere jetzt in ihrer Vollkommenheit daſtehende Sprachen noch in ihrer Kindheit


