91 Von der hergebrachten Feier des Sedantages wurde mit Rücksicht auf die politischen Verhältnisse, die deutsche und franzôsische Heeresabteilungen zu gemeinsamem Vorgehen in Ostasien zusammengeführt hatten, in diesem Jahre Abstand genommen. Doch tiel der Unterricht am l. September aus und die Schüler unternahmen unter Führung ihrer Klassenlehrer teils kürzere teils weitere Spaziergänge in die Umgebung der Stadt, bei denen sich auch Gelegenheit bot, an die Bedeutung des Tages zu erinnern.
Die Wettspiele und das Preisturnen, die sonst den Mittelpunkt der Sedanfeier bildeten, wurden in der zweitfolgenden Woche am Nachmittage des 11. September abge- halten, und zwar diesmal am Oberforsthause. Sie erfreuten sich, wie gewöhnlich, eines zahlreichen Besuches von seiten der Eltern und Angehôrigen unserer Schüler. Die Schüler der Prima maſsen ihre Kraft und Gewandtheit in drei UÜbungsarten. Preise lerhielten von ihnen: I. Erich Römer I. b, 2. Paul Trommershausen Iub, 3. Bruno Saaler ILa und Konrad Vômel Ia, 4. Karl Laux Iia. Hans von Pidoll I.b und Karl Hotz 1., 5. Richard Cramer Ii b, 6. Karl Sioli Ia.
In dem Tags darauf von Herrn Turninspektor Weidenbusch für die Schüler der höheren Lehranstalten veranstalteten turnerischen Wettkampfe(Laufen, Weitspringen, Kugel- stofsen, Gerwerfen) errangen folgende Schüler Preise: I. in der ersten Abteilung(Schüler über 17 Jahren): Erich Römer Iib(I. Preis), Karl Stadelmann La(8. Preis), Paul Trommershausen Iib(10. Preis); II. in der zweiten Abteilung(Schüler unter 17 Jahren): Ludwig Hörth I,(1. Preis), Alfred Arnold II,(10. Preis).
Am Abend des 13. Oktober fand eine musikalisch-theatralische Aufführung, von den Schülern der oberen Klassen veranstaltet, im groſsen Saale des Saalbaues statt. Dar- gestellt wurde dieses Mal ein griechisches Drama, Sophokles König Odipus, in der UÜber- setzung von Ulrich von Wilamowitz-Moellendorf, die Chorlieder nach der Kompo- sition von Ludwig Bellermann:. Die ergreifende Dichtung von der Vergänglichkeit irdischen Glückes und irdischer Gröfse machte auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck. Reicher Beifall wurde den Darstellern gespendet, die nach besten Kräften bemüht waren, die Gestalten des Dichters in voller Lebenswahrheit zu verkörpern. Herr Professor Karl Hermann, der bewährte Freund unserer Anstalt, hatte sich wiederum der mühevollen Aufgabe der Inscenierung unterzogen. Seiner sachkundigen und zielbewuſsten Anleitung vor allem war der schöne Erfolg zu danken, das einheitliche Zusammenspiel und nicht minder die das Durchschnittsmaſs überragenden Leistungen, die einzelne der Mitwirkenden, nament- lich der Vertreter der Hauptrolle, boten. Des orchestralen Teiles der Aufführung hatte sich mit gewohnter Liebenswürdigkeit Herr Fritz Bassermann angenommen. Die Chor- gesänge, deren Einübung in der Hand unseres geschätzten Kollegen, des Herrn Reil, lag, wurden mit gutem Gelingen vorgetragen; durch ihren feierlichen Ernst and ihren Gedanken- reichtum trugen sie dazu bei, die Gesamtwirkung zu erhöhen.
Der zweihundertjährige Gedenktag der Erhebung Preuſsens zum Königreiche wurde am 18. Januar im kleinen Saale des Saalbaues festlich begangen. Gesangsvorträge des Schülerchors wechselten ab mit der Deklamation patriotischer Gedichte. Der Unter- primaner Hermann Kühlewein hielt einen Vortrag über die sociale Thätigkeit der Hohenzollern. Dann wies der.Unterzeichnete in einer kürzeren Ansprache auf den ge- waltigen Aufschwung hin, den Preufsen und Deutschland in den verflossenen Jahrhunderten
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