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Undankbarkeit, des Hochmuts und der Eitelkeit zu zeihen und der ihn dringend zur Reue und Umkehr mahnte.— Die ſpäteren Erfolge des Sohnes haben den Vater ausgeſöhnt, aber das demütigende Bewußtſein, bei anderen in Schuld zu ſtehen, das Gefühl der Abhängigkeit, der Unfreiheit, das iſt: gerade dieſem nach Freiheit dürſtenden Mann in ſeinem ganzen Leben nie erſpart geblieben. Er iſt trotz des Entgegenkommens der Leipziger und Kopenhagener„Gemeinde,“ trotz der Großmut Cottas eigentlich nie aus der Bedrängnis herausgekommen; er hatte Schulden in Stuttgart und Mannheim, in Bauerbach und Oggersheim, in Leipzig und Dresden, in Jena und Weimar, und wir hörten ſchon, daß er nicht einmal mit der beruhigenden Gewißheit ſterben konnte, allen Verpflichtungen nachgekommen zu ſein.—
Doch auch alle ſeeliſchen Leiden haben den Mann nicht klein, nicht mürbe gemacht, nicht zu Boden gedrückt. Palma sub pondere crescit. Ja, er iſt gewachſen unter dem Leid. Gewachſen iſt der Menſch und auch der Dichter.„Ein echtes Talent überwindet alle Schwierigkeiten,“ das war ſein Glaube, und man tue ihm ſelbſt nur wohl, wenn man es Prüfungen unterwerfe. Die durch Prüfungen geläuterte Seele leuchtet aus ſeinen Werken, hier reifen die Früchte ſeiner Leiden.
Man hat geſagt, daß wenn Goethe ſich in ſeiner Seefahrt mit dem Steuermann vergleicht, der mit kräftiger Hand das Steuer erfaßt und das Schiff unentwegt mit ruhig feſtem Blicke auf ſein Ziel lenkt, Schiller ſich rühmen dürfe mehr zu ſein, nämlich ein ſtarker Schwimmer, der gegen Sturm und Wogendrang anſchwimme, der mit eigener Kraft ſich durcharbeite durch die Gewalt der toſenden Wellen, die ihn in die Tiefe zu ziehen trachteten.
„Es iſt mir, als ob ich das Schickſal zwingen müßte,“ hat er einmal geſagt. In der Tat, er hat es gezwungen.„Lernet von ihm euch ſelbſt überwinden,“ das Wort der trauernden Gattin gilt nicht nur ſeinen Kindern, an die es gerichtet iſt, es gilt auch uns.—
So war ſein Leben ein Kampf. Aber es fehlt ihm nun auch der Glorienſchein des Märtyrers nicht. Wie ein Komet iſt er dahin geſchwunden, immer größer, immer breiter wird der Lichtſtreif den er hinter ſich läßt. Es bedurfte kaum der Mahnung Goethes:
„So feiert ihn! Denn was dem Mann das Leben Nur halb erteilt, ſoll ganz die Nachwelt geben.“
Hat Schiller bei Lebzeiten gewiß ſeine Gegner gehabt— ich erinnere an die Xenienfehde— nach ſeinem Tode nimmt ſeine Verehrung von Jahr zu Jahr zu. Die Freiheitshelden von 1813 und 1820, von 1830 und 1848 haben ſeine Werke an ihrem Herzen getragen, Herwegh und Freilig⸗ rath mit ihren freiheitstrunkenen Liedern, an ſeinem heiligen Feuer haben ſie ſich entzündet. Aber nicht nur einzelne Männer, nein, die ganze deutſche Jugend, das ganze deutſche Volk nahm die Dichtungen des großen Sängers in ſich auf und machte ſie zu ſeinem geiſtigen Eigentum. Es prägte ſeine Dramen und Balladen dem Gedächtnis ein, und in allen Lebenslagen ſchweben ſeine Weisheitsſprüche ihm auf den Lippen.
Was will's da bedeuten, wenn von den Zeiten der Romantik bis zu den Vertretern des modernen Naturalismus und Peſſimismus auch einige ſich an ihm geſtoßen, wenn ſelbſt ein Hebbel und Ludwig verſucht haben des Dichters Bedeutung herabzuſetzen! Kann etwa Nietzſche mit ſeinem Schmähwort„Moraltrompeter“ oder Hartleben mit ſeinem verächtlichen„Limonade“ den Thron, den der Deutſche ſeinem großen Dichter in ſeinem Herzen errichtet hat, wankend machen, um an ſeiner Stelle einen neuen zu erhöhen, den der naturaliſtiſchen Wahrheit, der brutalen Wirklichkeit


