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Wenn je auf einen Menſchen, ſo läßt ſich auf Schiller das Wort anwenden: Menſch ſein heißt Kämpfer ſein. Wohin wir ſchauen, Kämpfen und Ringen. Das ganze Leben eine ununter⸗ brochene Kette von Not und Elend, von Mühen und Sorgen, von körperlichen und ſeeliſchen Leiden. Von dem Ort, wo ſein Leben begann, dem engen, einfenſtrigen Bauernſtübchen in der nur aus einem Wohnraum beſtehenden Mietswohnung der Mutter bis zu der armſeligen Manſardenkammer im eigenen Hauſe, wo er ſein Leben endete, haben ihn Not und Sorge nie verlaſſen. Die Mutter mittellos, verarmt, ſeit die Eltern aus dem ſtolzen goldenen Löwen verjagt, in dem kleinen Niklastor⸗ häuschen von der Gnade der Gemeinde lebten; der Vater oft längere Zeit ohne Gehalt und auf die Unterſtützung wohlwollender Freunde angewieſen: ſo wird ſchon der Knabe an Not und Entbehrung gewöhnt. In der Akademie litt er zwar nicht Not, aber er war Schüler zweiter Klaſſe. Der Regimentsmedicus in dem verrufenen Regiment Augé muß ſich mit 18. Gulden monatlich durch⸗ ſchlagen. Durch ſein Erſtlingswerk, das er ja im Selbſtverlag erſcheinen ließ, weil er keinen Verleger für das ſtaatsgefährliche Werk auftreiben konnte, in Schulden geraten, hat er ſich aus dieſem Elend, dieſer Gläubigernot, nie wieder ganz retten können bis an ſein Ende. Er ſtarb, ehe er den letzten Reſt ſeiner faſt 20 Jahre alten Schuld an Körner— es handelt ſich noch um 16 Louisdor— abtragen konnte, da durch ſeine Krankheit ſich die Herausgabe ſeiner Gedichte verzögerte, deren Ertrag er für dieſen Zweck beſtimmt hatte. Ebenſowenig hatte er dem großmütigen Freunde Cotta die 2600 Gulden, die er ihm beim Ankauf ſeines Hauſes in Weimar vorgeſchoſſen, zurückerſtatten können. Die letzte Schuld bei ſeiner Schwiegermutter mußte durch den Erlös für einen koſtbaren Ring der ruſſiſchen Kaiſerin gedeckt werden.— Bei armen Offizierswitwen, bei Handwerksleuten und kleinen Beamten, bei edeldenkenden Freunden und Wirten, ja bei Wucherern hat er leihen müſſen, um ſich vor Hunger zu ſchützen. Wochenlang hat er von Waſſerſuppen, gelben Rüben, ſauern Kartoffeln oder Kartoffelſalat gelebt, weil die Kaſſe erſchöpft war, und mit Kleidungs⸗ ſtücken war er oft ſo ſpärlich verſehen, daß er die ſiebentägige Reiſe von Mannheim nach Bauerbach mitten im Winter im leichten Sommerüberzieher machen mußte. Monatelang hat er in Oggersheim mit Streicher in einem Bette geſchlafen. Daß in einem durch ſchlechte Ernährung geſchwächten, durch unmäßige Arbeit überanſtrengten Körper allerhand Krankheit einen bereiteten Boden fand, iſt erklärlich. In Mannheim ergriff ihn 1783 ein Fieber, das ihn monatelang quälte, ſo daß er, wie er ſelbſt erzählt, Chinarinde wie Brot aß. Von einer entſprechenden Pflege und gründlicher Aus⸗ heilung war bei den geſchilderten Verhältniſſen nicht die Rede, und ſo ſieht man wohl in dieſer Krankheit nicht mit Unrecht die Wurzel aller ſpäteren Leiden. Ein gebrochener Mann war er ſeit der ſchweren Lungenentzündung im Januar 1791. In Erfurt, wohin er um die Jahreswende mit der Gattin gereiſt war, überfiel ihn plötzlich in einem Konzert ein Schüttelfroſt. Es gehörte die Schillerſche Willenskraft dazu, in ſolchem Zuſtande die Rückfahrt nach Jena zu wagen— bei den damaligen Reiſe⸗ verhältniſſen! Da war's denn freilich mit der Kraft zu Ende. Sechs Tage lag er, ohne Nahrung zu ſich zu nehmen. Blut drang aus ſeinem Munde, eine Ohnmacht folgte der andern.— Kaum fing er an ſich zu erholen, da trat im Mai ein noch heftigerer Rückfall ein: Der Puls ſetzte aus, die Stimme ſchwand, die Glieder wurden kalt und zuckten wie im Todeskampfe. Doch noch einmal ging der Würgengel vorüber, noch einmal genas er, aber völlig erholt hat er ſich nun nie wieder; er war gezeichnet!.
Seine Spannkraft war unwiederbringlich dahin. Ein Jahr war er gänzlich lahm gelegt, und wenn dann auch Erholungsreiſen nach Karlsbad und Dresden und in das alte liebe Schwabenland


