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wankten einer Ohnmacht nahe zur Türe. Es war eine allgemeine Auflöſung, wie ein Chaos, aus deſſen Nebel eine neue Schöpfung hervordringt.“ Wir verſtehen es, wenn er unter dem Eindruck dieſer Szenen an Dalberg ſchrieb:„Wenn Deutſchland einſt einen dramatiſchen Dichter in mir findet, ſo muß ich die Epoche von(dieſem Tage) zählen.“ Und mit dem ſtolzen Gefühle des Dichters deckt ſich das Urteil eines ahnungsvollen Kritikers, der ſeine Beſprechung der Räuber mit den Worten ſchloß:„Haben wir je einen deutſchen Shakeſpeare zu erwarten, ſo iſt es dieſer.“—
Das Drama, das der 24jährige in einer öffentlichen Rede für das höchſte Produkt des menſchlichen Geiſtes erklärte, es iſt und bleibt ihm die Summa des dichteriſchen Schaffens, das oberſte Mittel, der Menſchheit den Sinn des Lebens verſtändlich zu machen, die Bühne iſt ihm eine heilige Stätte, von der nur der geweihte Prieſter reden darf.„Des Dichters erſte Pflicht iſt es, ſeine Individualität ſo ſehr als möglich zu veredeln, zur reinſten herrlichſten Menſchheit hinauf⸗ zuläutern, ehe er es unternehmen darf, die Vortrefflichen zu rühren.“ Denn der Dichter muß ſich ſelber geben, ein Stück ſeines Weſens, und mit ſeinem Herzblut ſchreiben.„Dich ſchuf das Herz, du wirſt unſterblich leben.“ Dies Geleitwort ſeiner Jungfrau hätte er auch an die Spitze ſeiner anderen Dramen ſetzen können.„Ein großer Dichter muß der Buſenfreund ſeiner Helden ſein.“ Sind ſie nicht alle, Karl Moor, Fiesco, Ferdinand, Poſa, Max, ſeine Buſenfreunde? ſind ſie nicht Fleiſch von ſeinem Fleiſch und Bein von ſeinem Bein?„Wenn die Gerechtigkeit für Geld verblindet und im Solde der Laſter ſchwelgt, wenn die Mächtigen ihrer Laſter ſpotten und Menſchenfurcht den Arm der Obrigkeit bindet, übernimmt die Bühne Schwert und Wage und reißt das Laſter vor einen ſchrecklichen Richterſtuhl.“ Wie hoch muß der, der ſo von dem Recht und der Pflicht der Bühne denkt, die Anforderungen an die ſittlichen Eigenſchaften, an die Perſönlichkeit des Dichters ſtellen! In der Tat, ſein höchſtes Streben iſt es geweſen, erſt ſich ſelbſt„zur reinſten Menſchheit hinaufzuläutern,“ ſich ſittlich zu vervollkommnen, ſeine Kenntniſſe durch die eingehendſten Studien auf philoſophiſchem und hiſtoriſchem Gebiet zu vertiefen, Welt und Menſchen kennen zu lernen, Erfahrungen zu ſammeln, um dann alles ſein Wiſſen und Können, ſein Empfinden und Wollen auf einen Punkt zu konzentrieren, ſich ſelbſt, ſeine ganze Perſönlichkeit in jeder Dichtung zu geben.
„Er wendete die Blüte höchſten Strebens, das Leben ſelbſt an dieſes Bild des Lebens.“— Noch auf dem Krankenlager ſehen wir ihn mit dramatiſchen Entwürfen beſchäftigt: der Tod über⸗ raſcht ihn mitten in der Arbeit und ruft ihn von ſeinem halbvollendeten Demetrius, der uns als Torſo noch begeiſtert. Die letzte heitere Stunde hat er im Schauſpielhauſe verlebt, es war an jenem erwähnten Aprilabend, wo Goethe ihn begleitete, hier hat des Lebens heiteres Spiel ihm„noch am Abend vor der letzten Sonnen ein holdes Lächeln glücklich abgewonnen.
Er hatte früh das ſtrenge Wort geleſen,
Dem Leiden war er, war dem Tod vertraut. So ſchied er nun, wie er ſo oft geneſen;
Nun ſchreckt uns das, wovor uns längſt gegraut. Doch ſchon erblicket ſein verklärtes Weſen
Sich hier verklärt, wenn er herniederſchaut. Was Mitwelt ſonſt an ihm beklagt, getadelt,
Es hat's der Tod, es hat's die Zeit geadelt.


