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Und zu der ſittlichen Freiheit, die er ſelbſt in ewigem, heißem Ringen erſtrebt, will er auch anderen ein Führer ſein. Die Menſchheit erziehen, das iſt ſein großer dichteriſcher Beruf. Deshalb niemals dem Zeitgeiſt nachgeben, dem Geſchmack des Publikums huldigen, ſondern es heben, zu ſich emporziehen, das iſt die große Aufgabe, die er ſich und ſeiner Kunſt ſtellt.„Das Höchſte aller Zeiten ſtand immer vor ſeinem Geiſte, und zu dem Höchſten und Beſten wollte er auch die Gemüter der Menſchen erheben“(Karoline).„Der Menſchheit Würde iſt in euere Hand gegeben, bewahret ſie!“ Nie hat wohl ein Dichter von der hohenprieſterlichen Würde ſeines Berufes höher und ernſter gedacht und vor allem nach dieſen Grundſätzen gewiſſenhafter gehandelt als Schiller.
Doch hat er ſo geübt, ſo vollgehaltig,
Dies bretterne Gerüſte nicht verſchmäht;
Hier ſchildert er das Schickſal, das gewaltig
Von Tag zu Nacht die Erdenachſe dreht;
Und manches tiefe Wort hat, reichgeſtaltig,
Den Wert der Kunſt, des Künſtlers Wert erhöht. Er wendete die Blüte höchſten Strebens
Das Leben ſelbſt, an dieſes Bild des Lebens.
Ja, dies bretterne Gerüſte iſt die Kanzel des Dichters geweſen, von hier hat er am liebſten und am vernehmlichſten zu ſeinem Volke geſprochen.
Daß er zum Künſtler⸗, zum Dichterberufe beſtimmt war, das hat ihm eine! innere Stimme früh geſagt. Als Knabe zwar ſieht er im würdigen Pfarrer Moſer das Idealbild ſeiner Zukunft, und noch im 15. Lebensjahre verſucht er den Herzog, der ihn mit deſpotiſcher Willkür aus der gewählten Laufbahn herausreißt, umzuſtimmen. Nur auf höheren Befehl widmet er ſich der Rechts⸗ wiſſenſchaft, geht aber leichten Herzens, als es gewünſcht wird, zur Medizin über, hofft er doch, daß die Naturwiſſenſchaft ihm die Brücke zur Philoſophie ſchlagen ſoll. Eine Zeitlang hatte er ſich für einen Hiſtoriker gehalten, aber bald wird er ſich klar, daß die Geſchichte ebenſo wie die Philoſophie ihm nur Mittel zum Zweck ſind, die Geſchichte den Geiſt bereichernd, die Philoſophie ihn klärend, beide Grundlagen für den Dramatiker, der wirklich etwas Großes ſchaffen will. So können die erſten ſcheinbaren Erfolge des jungen Dozenten, der volle Hörſaal und der Beifall der akademiſchen Jugend ihn nicht blenden, und er ſieht bald ein:„Zu einem muſterhaften Profeſſor werde ich mich nie qualifizieren, dazu hat mich die Vorſehung auch nie beſtimmt.“ So ſchnürt er wieder ſein Bündel und wandert weiter. Nur eine Stätte gab es, wo ſeine Seele Ruhe finden konnte, das war der Tempel der Kunſt.„O Gott, du gabeſt mir Natur, teil' Welten unter ſie, nur mir Geſänge!“„Ich muß Künſtler ſein, oder ich will nicht mehr ſein.“— Der Schwerpunkt ſeiner dichteriſchen Tätigkeit aber liegt nicht in der Lyrik, nicht in weichen Akkorden, im Spiel der Gefühle; auch das Epos iſt ihm zu beſchaulich. Nur das Drama iſt'’s, in dem ſeine leidenſchaftliche Seele die Möglichkeit findet, ihr hohes Pathos, ihre ganze Wucht zu entfalten.— Hatte der jugendliche Anfänger noch an ſeinen Fähigkeiten gezweifelt, jener denkwürdige Abend des 13. Januar 1792, wo er klopfenden Herzens in der Loge des Mannheimer Theaters der erſten Aufführung ſeiner Räuber zuſah, ließ den zagenden Wunſch zu jubelnder Gewißheit reifen. Wie konnte es anders ſein!„Das Theater glich einem Tollhauſe,“ ſo berichtet ein Augenzeuge,„rollende Augen, geballte Fäuſte, heiſere Aufſchreie im Zuſchauerraum. Fremde Menſchen fielen einander ſchluchzend in die Arme, Frauen


