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Selbſt durchglüht von dem heiligen Feuer edelſter Begeiſterung und beſeelt von dem feſten Glauben an das Emporſtreben, an die Entwickelung der Menſchheit, an den Sieg des Guten, ſelbſt Idealiſt und Optimiſt in dem Maße, daß alle irdiſche Not, alles Darben und Hungern, alle Knechtung und Mißhandlung, alle Krankheit und Schmerzen den klaren Spiegel ſeiner Seele höchſtens auf Augenblicke haben trüben können, entflammt er auch die Herzen anderer und reißt ſie gewaltſam in ſeine reinen Höhen empor.— Schiller war nicht etwa ein Asket, er wußte die Güter und Freuden des Lebens zu ſchätzen. Aber er warf ſie hin, wenn Höheres auf dem Spiele ſtand. Elternhaus und Vaterland, bürgerliche Exiſtenz und geſicherte Lebensſtellung, äußere Ehre und Geſundheit— das alles kann er ohne jedes Schwanken opfern, wenn es gilt die innere Freiheit zu wahren, die Perſönlichkeit frei zu entfalten, der Stimme des Herzens zu folgen, die ihm ſagt, wie und wo er ſeinem Volke, der Menſchheit am beſten dienen kann. Mit Recht ſagt Karoline von ihm:„Eines äußeren Motivs wegen zu tun, was ſeiner Überzeugung widerſprach, war ihm unmöglich.“
Liebe, Freundſchaft, Freiheit, Sittlichkeit, Wahrheit, das ſind allezeit die Leitſterne ſeines Lebens geweſen. Vater und Mutter haben bis an ihr Ende die ſorgende Liebe des treuen Sohnes empfunden und als ihr höchſtes Glück geprieſen. Den Schweſtern war er ein allezeit hülfsbereiter Bruder, die herrlichen Worte, die er in der Glocke der Gattenliebe und dem Eheglück gewidmet, ſie kommen aus dem Herzen eines beglückten Gatten, eines zärtlichen Vaters.— Wie hat er die Freundſchaft geprieſen im Liede und wie ſie erzeigt im Leben! Wie hat er an Hoven und Streicher gehangen, wie Körner geliebt, wie Goethe vergöttert! Und er war treu. Mit Recht kann man von ihm ſagen: er hat zahlloſe Freunde gewonnen und nie einen verloren.„Vertraulichkeit, ſelbſt wenn ſie aufgehört hatte, blieb ihm heilig“(Karoline).— Aber ſein Herz iſt groß, es hat Raum für die ganze Menſchheit.„Seid umſchlungen, Millionen!“ ſingt er in ſeinem großen Freundſchaftshymnus.
Liebe zu den Mitmenſchen, ein weiches, mitfühlendes Herz zeigte ſich ſchon bei dem Knaben. Alles ſchenkte er weg: Bücher und Kleider, die blanken Schnallen von den Schuhen, ſeine koſtbarſten Schätze.— Wenn die Schweſter in Not iſt, ſo ſchickt er Geld, und wenn er ſelbſt es ſich borgen muß. Wie die Welt ihm begegnet, das kümmert ihn nicht. Hören wir auch mal in einer Zeit bitterſter Enttäuſchung aus ſeinem Munde die Klage:„ich hatte die Welt mit den glühendſten Empfindungen umfaßt, und am Ende fand ich, daß ich einen kalten Eisklumpen in den Armen hatte.“ Aber alle dieſe Kälte hat nicht genügt, auch ſein Herz erſtarren zu machen, ihm die Liebe zu den Brüdern, den Glauben an die Menſchen zu rauben.— Ebenſowenig vermochte Knechtſchaft und Sklaverei ſein Herz niederzubeugen. Im Gegenteil, je ſchwerer die Feſſeln, um ſo lebendiger der Drang nach Freiheit. Freiheit iſt der Schrei der gepreßten Seele, der uns aus jeder Zeile der Räuber entgegendringt. Freiheit iſt der Grundton in allen weiteren Dramen bis zum Tell.„Die Idee der Freiheit durchdringt alle ſeine Werke“(Goethe).—
Freilich, er hat um ſeine Freiheit kämpfen müſſen. Immer wieder verſuchte das Geſchick ihm zu beweiſen, daß er nicht frei ſei. Soll ich ſie alle nennen, die Tyrannen, die ihn gefeſſelt, geknebelt, mißhandelt haben? Die Laune eines deſpotiſchen Fürſten, die Unzuverläſſigkeit eines ängſtlichen Intendanten, die Hartherzigkeit von Gläubigern, die Not und der Hunger, die Schwachheit des Leibes, der Wankelmut des Publikums—; aber trotz aller Ketten und Bande, trotz aller Tyrannen und Peiniger, er hat ſein Wort an ſich wahr gemacht:
Der Menſch iſt frei geſchaffen, iſt frei, Und würd' er in Ketten geboren. 2*½


