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oft mit dem größten Ernſt, mit hinreißender Beredſamkeit, mit Tränen in den Augen aufgemuntert, ja alle unſere Kräfte jeder in ſeinem Fache anzuwenden, um Menſchen zu werden, die die Welt einmal ungern verlieren möchte. Wir haben ihm viel zu danken; und in der Stunde des Todes werde ich mich ſeiner mit Freude erinnern.“ Bei aller Lebhaftigkeit aber, bei allem Feuereifer kam, wie Streicher verſichert, in ſeinen Reden nichts Scharfes, nichts Abſtoßendes vor,„ein jeder wurde emporgehoben, ſeine Empfindung veredelt.“
So durften alle ſeine Freunde Goethe den Stolz und das Glück nachempfinden, das er in die Worte legte„denn er war unſer“ und alle dachten wie Max von Wallenſtein„Und eine Luſt iſt's, wie er alles weckt und ſtärkt und neu belebt um ſich herum.“—
Denn er war unſer. Mag das ſtolze Wort Den lauten Schmerz gewaltig übertönen.
Er mochte ſich bei uns im ſichern Port
Nach wildem Sturm zum dauernden gewöhnen. Indeſſen ſchritt ſein Geiſt gewaltig fort
Ins Ewige des Wahren, Guten, Schönen. Und hinter ihm im weſenloſen Scheine
Lag, was uns alle bändigt, das Gemeine.
Ja, wir kennen die Irrfahrten des heimatloſen Flüchtlings, wir wiſſen, wie er auf den wilden Wogen des Meeres herumtrieb, an troſtloſe, einſame Küſten verſchlagen wurde, wie er bisweilen, ſcheinbar der Erlöſung nahe, wieder von wilden Stürmen erfaßt und in die furchtbare Wildnis des Ozeans zurückgeſchleudert wurde, bis er endlich in Weimar den ſicheren Port, das lang erſehnte Ithaka fand, das dem Gehetzten Ruhe bot.
Seit jenem 14. Dezember 1779, wo er bei der Preisverteilung in der Militärakademie den gefeierten Dichter des Götz und des Werther inmitten zweier gekrönter Häupter hatte ſtehen ſehen, lebte in ſeiner Seele als letzte ſchönſte Hoffnung, als Ziel ſeiner ſtillen Wünſche und Zukunftsträume der Gedanke an Weimar. Als er dann fünf Jahre ſpäter, am zweiten Weihnachtstage 1784 dem jungen Herzog Karl Auguſt in Darmſtadt den erſten Akt ſeines Don Carlos vorleſen durfte und unter ſchmeichelnden und anerkennenden Worten zum Weimarſchen Rat ernannt wurde, da ſchien mit einem Male das Ziel näher gerückt. Immer ſtärker wirkt nun die magnetiſche Kraft der Muſenſtadt, dieſes Mittelpunktes deutſcher Kunſt und deutſcher Dichtung, immer näher lockt es ihn, immer enger zieht er ſeine Kreiſe. Endlich 1787 hält es ihn nicht länger in Dresden, raſch entſchloſſen entflieht er dem Körnerſchen Freundeskreiſe und eilt an den Ort ſeines Sehnens. Doch er wird enttäuſcht. In Weimar leuchtet nur ein Stern, vor dem alle anderen verblaſſen. Ihn kennt man kaum, man hält ſich zurück, und Goethe ſelbſt, als er von ſeiner Reiſe zurückgekehrt, ver⸗ letzt durch ſeine abweiſende, mehr als vornehme Kühle: der Dichter der Iphigenie und des Taſſo lehnt jede Gemeinſchaſt mit dem Verfaſſer der Räuber ab. Erſt nach weiteren zwölf Jahren iſt der Bann gebrochen. Jetzt iſt's Goethe, der ihn ſelbſt einlädt, und am 3. Dezember 1799 kann er endlich nach langen Irrfahrten in dem heißerſehnten Hafen landen. Ja, Weimar iſt ihm nun„ein ſicherer Port“ geworden. Hier waren ihm alle Bedingungen für ein freudiges Schaffen geboten. Nicht mehr gedrückt von materiellen Sorgen, frei von den Feſſeln eines Berufs, der ſeiner Natur nicht entſprach, äußerlich und innerlich unabhängig, kann er nun mit vollſter Hingebung ſeinen Ideeen


