Aufsatz 
Einige Bemerkungen zur Schulorganisationsfrage, insbesondere zum Schulwesen größerer Städte
Entstehung
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und Realſchulen 1. O. ohne Prima ſind, ſondern verlangt beſondere, dieſe eigenthümliche Aufgabe unter Feſthalten an den einheitlichen Momenten und unter vorſichtiger Berückſichtigung lokaler Verhältniſſe verfolgende Anſtalten. Ihr Kurſus iſt um 2 Jahre kürzer als der gymnaſial⸗realiſtiſche, umfaßt alſo 7 Schuljahre von Sexta aufwärts; es iſt aber auch hier alles Gewicht darauf zu legen, daß die oberſte Stufe nicht bloß vorhanden iſt, ſondern auch von möglichſt vielen Schülern erreicht und in einem Maturitätsexamen abſolviert wird.

4. Dieſe Schulen, vielleicht den faktiſchen Verhältniſſen und der allgemeinen Auffaſſung ent⸗ ſprechenderhöhere Bürgerſchulen genannt, finden das Moment der Einheit und Uebereinſtimmung in dem Ausſchluſſe des altſprachlichen Unterrichtes und in dem Anſchluſſe an die modernen Wiſſen⸗ ſchaften und Bildungsſtoffe; nicht minder in der Verfolgung allgemeiner, d. h. nicht unmittelbar zur Verwendung zu bringender Vorbildung. Die ihnen dabei unentbehrliche engere Beziehung zum Leben bedingt für ſie diejenige Freiheit der ſpeziellen inneren Geſtaltung, welche eine umſichtige, aber auch vorſichtige Berückſichtigung landſchaftlicher und lokaler Beſonderheiten ermöglicht.

5. Sie ſcheinen daher wohl geeignet, namentlich in mittleren und größeren Städten, einem ſehr anſehnlichen Theile der Bevölkerung als Bildungsſtätten ihrer Söhne zu dienen, und ſomit im Stande, eine zwar nicht durch die bisherigen ſchulorganiſatoriſchen Verhältniſſe an ſich, wohl aber durch ander⸗ weite Umſtände entſtandene Lücke im Unterrichtsweſen zu ergänzen.

6. Für ihre, ſowie aller höheren Schulen gedeihliche Entwickelung zu erfolgreicherem Arbeiten an ihrer Aufgabe iſt es wünſchenswerth, daß in dem Berechtigungsweſen nach und nach vereinfachende Aenderungen ſich ermöglichen, deren wirkſamſte darin beſtände, daß die aus anderweiten Rückſichten beizubehaltenden Berechtigungen ſich an das Maturitätsexamen als Wirkungen desſelben anſchlöſſen, während an anderen Stellen innerhalb des Schulkurſus Berechtigungen nicht ertheilt würden.

7. Nicht minder erforderlich iſt ferner eine ausreichende Ausſtattung dieſer Schulen in Bezug auf Lehrmittel und Lehrkräfte. Wenn zwiſchen den Gymnaſien und Realſchulen 1. O. einerſeits und dieſen hierhöhere Bürgerſchulen genannten Anſtalten ein weſentlicher Abſtand einträte, wenn viel mehr erſpart werden wollte, als was ſich aus dem Mangel der zwei oberſten Jahreskurſe ſelbſtverſtänd⸗ lich ergibt, ſo geſchähe es zu großem Schaden der Sache. Denn die hier geſtellte Aufgabe bedarf nicht minder wiſſenſchaftlich gebildeter und bedarf ganz beſonders pädagogiſch befähigter Lehrer, welche die mannigfachen, der Entwickelung und Wirkſamkeit dieſer Schulen entgegenſtehenden Hinderungen allmählich zu beſeitigen vermögen.

Der Verfaſſer hätte noch manches hinzuzufügen, allein er muß daran denken, daß der Schluß des Schuljahres vor der Thüre ſteht, und daß noch gar vieles geordnet und vorbereitet ſein will. Indeſſen, wenn auch unvollſtändig und unvollkommen, iſt die anſpruchsloſe Programmgabe, angeſichts der großen Wichtigkeit der Schulorganiſationsfragen und gegenüber unſeren hieſigen Schulbeſtrebungen, vielleicht doch geeignet, zunächſt in unſeren ſtädtiſchen Kreiſen anregend und verſtändigend zu wirken und das nie genug zu pflegende Intereſſe an unſeren Schul⸗ und Bildungszuſtänden beleben zu helfen. Damit würde dem Verfaſſer die Abſicht dieſer Blätter völlig erfüllt ſcheinen.

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Höhere Bürgerſchule. 1873.