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kurz gekommen, und wenn durch die jüngſte Geſtaltung der Realſchule vielleicht eine Lücke, die in oder neben dem Gymnaſium beſtand, ausgefüllt worden iſt,(über deren Exiſtenz und Breite übrigens die Anſichten recht verſchieden ſein dürften), ſo iſt noch gewiſſer eine andere und größere Lücke dafür entſtanden, oder, wenn dieſe ſchon vorhanden war, iſt ſie noch fühlbarer geworden.
Es handelt ſich hier nicht um eine eingehende Unterſuchung darüber, ob dieſes oder jenes Bedenken gegen die jüngſte Ordnung des Realſchulweſens erhoben werden könne, ob man nicht früher oder ſpäter zu ſehr weitgehenden Erwägungen werde genöthigt werden. Selbſt wenn ſolche Bedenken gerechtfertigt wären, müßte man ſich doch ſcheuen, nach Ablauf von kaum 14 Jahren durch neue tiefgreifende Aenderungen den innern Entwicklungsprozeß der Schule zu beunruhigen. Aber es möge geſtattet ſein, kurz zu bemerken, daß der Verfaſſer zu denen gehört, welche nicht wünſchen und es für nichts weniger als heilſam halten, daß der Wirkungskreis des humaniſtiſchen Gymnaſiums ſich nach und nach auf die Vorbildung der Philologen, Theologen und Hiſtoriker beſchränkt. Daß aber die bisherige Entwickelung darauf hin führt, wenn wir nicht bald in andere Strömungen einlenken, das läßt ſich doch wohl kaum beſtreiten. Wenn die philologiſche Vorbildung, die auf einer Real⸗ ſchule erſter Ordnung vermittelſt des lateiniſchen und neuſprachlichen Unterrichtes erworben wird, für das wiſſenſchaftliche Studium der neueren Sprachen und die Zulaſſung zum examen pro facultate ausreicht, ſo könnte ſie manchem auch als hinreichend zur Baſis juriſtiſcher Studien erſcheinen; und was die mediziniſche Fakultät betrifft, ſo befindet ſich die Zahl derer, welche am alten gymnaſialen Bildungsgange feſtgehalten wiſſen wollen, leider wohl ſchon heute in der Minorität.
Die Realſchule 1. Ordnung, welche in ihrer äußeren Geſtaltung unmittelbar neben das Gymnaſium getreten iſt, verhält ſich nunmehr zu den Bildungsbedürfniſſen des ſtädtiſchen mittleren und höheren Bürgerſtandes faſt ſo wie das Gymnaſium: der Lehrinhalt der Realſchule ſteht dieſen Kreiſen freilich näher, aber der Lehrkurſus iſt länger, als es die nun einmal gegebenen praktiſchen Verhält⸗ niſſe geſtatten. Da die Realſchule von vornherein mehr Schüler aufnimmt, welche nur bis zu der Oberſecunda die Schule beſuchen wollen, ſo ſinkt die Zahl der Primaner und Abiturienten noch erheblich unter die bei den Gymnaſien herab. In demſelben Semeſter, welches oben für die Gym⸗ naſien zu Grunde gelegt wurde, zählten die damaligen 68 Realſchulen erſter Ordnung bei 16854 Schülern(ohne Vorſchulen) pro Semeſter 94 Abiturienten. Wird für das andere Semeſter die Zahl der Abiturienten auch als ſtärker angenommen, ſo ergibt ſich doch kein höherer Prozentſatz als höchſtens 1 ¾, d. h. von je 100 Sextanern erreichen kaum 2 das Schulziel vollſtändig. Die Frequenz dieſer Schulen nimmt nach oben zu ſtetig ab: im Sommerſemeſter 1869(ſ. Stiehl, Centralblatt, Jahrg. 1871, S. 599) enthielten die damaligen 72 Realſchulen erſter Ordnung 966 Primaner neben 3268 Secundanern und 5355 Tertianern, während die Primen der 201 Gymnaſien 6089 Schüler, die Secunden 9578 Schüler zählten. Während ſomit die Gymnaſialprima durch⸗ ſchnittlich aus 30 Schülern beſtand, kamen auf die Realprima ungefähr 13. Es ließen ſich dieſer ſtatiſtiſchen Notizen leicht vermehren, und überall zeigt ſich dasſelbe Ergebnis: eine ſtetige Zunahme der Frequenz bis zur Secunda, aus dieſer den verhältnißmäßig weitaus ſtärkſten Abgang, ſchwache Oberklaſſen, wenige Abiturienten, bisweilen ſogar gar keine, wie denn im Jahre 1869 unter 200 Gymnaſien ſich zwar auch 8 finden(ſ. Stiehl, Centralblatt, Jahrg. 1870, S. 347), an denen ein Abiturientenexamen nicht ſtattfand, aber unter 69 Realſchulen erſter Ordnung deren 15, unter den 15 Realſchulen zweiter Ordnung ſogar 10. Es iſt das gewiß alles eher als ein normales Verhältnis,


