Aufsatz 
Einige Bemerkungen zur Schulorganisationsfrage, insbesondere zum Schulwesen größerer Städte
Entstehung
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ſatz weder in unſerer beſtehenden Organiſation, noch auch in der Praxis des Schulbeſuches die wünſchenswerthe Anerkennung findet. Auch bei dem Gymnaſium iſt der Beſuch der Oberklaſſen, die Theilnahme am Abiturientenexamen nicht jenem Grundſatze entſprechend. Wenn die 197 Gymnaſien Preußens 1868 unter 49168 Schülern(ohne die Vorſchulen) 1321 Abiturienten zählten, ſo iſt das kein abſolut ungünſtiges Verhältnis, aber es kann doch immer noch nicht normal genannt werden, wenn auf circa 20 Schüler pr. Jahr 1 Abiturient kommt. Nur der zwanzigſte Theil der Geſammt⸗ ſchülerzahl gelangt alſo dazu, das Ziel der Schule wirklich zu erreichen; die weit überwiegende Mehr⸗ zahl fällt früher ab, theils ſchon auf den unteren Stufen, theils insbeſondere in Secunda nach Er⸗ werbung der Berechtigung zum einjährig⸗freiwilligen Militärdienſte, wovon ſpäter noch mehr die Rede ſein wird. Das Gymnaſium zugleich als Vorſchule für diejenigen benutzbar zu machen, welche zwar eine etwas weiter gehende und gründliche Vorbildung begehren, aber doch nicht länger als bis etwa zum 16. Jahre die Schule beſuchen ſollen, um dann zu einem bürgerlichen Berufe überzugehen, hat man dieſen Schulen namentlich auf den unteren Stufen eine größere Rückſichtnahme auf realen und modern⸗ſprachlichen Unterricht angeſonnen. Nun mag es wahr ſein, daß in Bezug auf Natur⸗ geſchichte, Rechnen, Geographie,(hie und da auch wohl auf Mathematik und Phyſik in der oberen Stufe) manches Gymnaſium ſich etwas mehr zumuthen könnte, ganz beſonders da, wo die gymnaſiale Lehranſtalt als einzige höhere Schule wohl oder übel für manche ſorgen muß, die eigentlich anders⸗ wohin gehören: in der Weiſe, wie jene Forderung oft ausgeſprochen wird, und wo ſie nicht viel weniger als einen Umſturz des jetzigen Gymnaſiums bezweckt, iſt ſie gänzlich zu verwerfen. So würde man nicht etwaige Schäden beſſern, ſondern neue und größere Schäden ſchaffen. Denn die größere Wirkungskraft des Gymnaſiums beruht nicht bloß auf der Qualität ſeiner Bildungsmittel, auf ihrer tendenzloſen Lauterkeit, auf der langen Dauer des Lehrkurſus, ſondern weſentlich auch auf der Einfachheit ſeiner inneren Konſtruktion, ja man kann ſagen auf einer gewiſſen Einſeitigkeit, die nicht alles zugleich leiſten will. Und was auch zu reformieren ſein möge, an dieſer Einfachheit darf man nichts Weſentliches ändern. Darum aber auch darf man nicht verſuchen, dem Gymnaſium jene Aufgabe mitzuzuweiſen: auf diejenigen Lehrgebiete, welche in direkterer Beziehung zu dem heutigen praktiſchen Handels⸗ und Verkehrsleben ſtehen, auf die modernen Sprachen, auf die Naturwiſſen⸗ ſchaften kann weder hinſichtlich des Stoffes noch bezüglich der Methode die Rückſicht genommen werden, welche von Seite der Berufsübung gewünſcht wird. Andererſeits iſt nicht zu beſtreiten, daß es mit der ſogenannten formalen Bildung doch nicht allein gethan iſt, und daß dieſe zudem nicht ausſchließ⸗ lich auf altgymnaſialem Wege erworben wird. Die Geſtaltungen unſeres modernen Lebens ſind ſo wunderbar mannigfaltig, die einzelnen Gebiete haben ſo an Ausdehnung und innerer Ausarbeitung, an Reichthum der Beziehungen gewonnen, daß das Bildungsweſen darauf alle Rückſicht zu nehmen hat, und ſo wie die Lebensarbeit vielfach gegliedert iſt, ſo auch die Vorarbeit nicht mehr der Theilung und Gliederung entbehren kann. Wer alſo die eigentliche Aufgabe des Gymnaſiums nicht erſtrebt, ſondern auf dieſem Pfade nur bis zur eigentlichſten den Ausſchlag gebenden letzten Wegſtrecke wandeln will, der kann das im Grunde nur dann thun, wenn es für ihn in Folge des Mangels an anderen Schulen einen beſſeren Weg nicht gibt. Nach einem ſolchen uns umſchauend, gelangen wir auf das Gebiet der Realſchulen.