Aufsatz 
Einige Bemerkungen zur Schulorganisationsfrage, insbesondere zum Schulwesen größerer Städte
Entstehung
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anſtalten, eine Mannigfaltigkeit, die wenn ſie auch nicht ganz und gar abgewieſen werden ſoll doch weit mehr auf äußeren Verhältniſſen als auf inneren Gründen beruht.

Aber zwiſchen dem Gymnaſium und der Elementarſchule liegt ein überaus weites Zwiſchen⸗ gebiet, zumal in mittleren und größeren Städten, in welchen Handel und Induſtrie blüht. Die ein⸗ fache Elementarbildung reicht für einen ſehr anſehnlichen Theil der Bevölkerung nicht aus; auch ſind viele Familien gar wohl im Stande, für die Erziehung ihrer Kinder wenigſtens etwas aufzuwenden. Aber ſie beabſichtigen doch nicht, ihre Söhne ſtudieren zu laſſen. Weder ſcheint der Lehrinhalt des Gymnaſiums zu den mehr praktiſchen Berufszweigen zu paſſen, welche ergriffen werden ſollen, noch will ſich die für den vollen Kurſus der Gelehrtenſchule erforderliche längere Dauer der Schulzeit bis zum 19. Lebensjahr mit den Forderungen des praktiſchen Lebens in Einklang bringen laſſen. Es gilt das für ſehr viele, wie jeder auch nur flüchtige Blick in das Leben unſerer Städte zeigt, ſo daß in manchen Städten, wie z. B. bei uns, thatſächlich die Zahl derjenigen Schüler, welche höhere Schulanſtalten beſuchen(die größeren Inſtitute als ſolche betrachtet), größer iſt als die der Schüler der Elementarſchule. Es mag zehnmal wahr ſein, daß unter dieſer Geſammtzahl der höhere Ziele Erſtrebenden gar mancher beſſer thäte, ſich einfachere Aufgaben zu ſtellen, daß die reelle Abſolvierung einer guten Elementarſchule viel mehr Gewinn brächte als der nach mehr oder minder vergeblichem Bemühen frühzeitig abgebrochene Beſuch einer weitergehenden Lehranſtalt: es läßt ſich in der Sache um ſo weniger ändern, als dem hie und da wohl verkehrten Verfahren doch das löbliche Motiv zu Grunde liegt, den Kindern eine ſo gute Bildung als nur möglich auf den Lebensweg mit zu geben. Wer mag in unſeren Tagen beſtreiten, daß die Eltern darin an ſich recht thun, und daß wir die dabei unterlaufenden Irrungen und Verkehrtheiten in den Kauf nehmen müſſen? Eine Pflicht wird freilich den Leitenden erwachſen, zu verſuchen, inwieweit ſolches an ſich berechtigte Streben in die völlig entſprechenden Bahnen zu leiten ſei, und durch welche Veranſtaltungen man das zu Grunde liegende Bedürfnis am zweckmäßigſten zu befriedigen vermöge.

Inwieweit nun findet in dem offiziellen Organiſationsplane unſeres Schulweſens dieſes Bildungsbedürfnis ſeine geſicherte Befriedigung? Zunächſt wird wohl nicht beſtritten werden, daß das innerhalb des Elementarſchulweſens nicht geſchieht. Von der eigentlichen, einfachen Elementarſchule oder, wie ſie wohl auch genannt wird, Volksſchule kann nicht die Rede ſein. Aber auch die ſechs⸗ bis achtklaſſige Stadt⸗ oder Volksſchule kann und will dieſen Zwecken nicht dienen. Denn ſie bleibt mit ihrem Schulkurſus, auch wenn er acht Schuljahre in einjährigen Klaſſengängen umfaßt, noch diesſeits der Altersgrenze, die nothwendig überſchritten werden muß, um die Grundlagen höherer Bil⸗ dung zu legen. Auch ſchließt ſie von ihrem Lehrplane diejenigen Unterrichtsgebiete, welche für das Bedürfnis des gebildeten Mittelſtandes die größte Wichtigkeit haben, die neueren Sprachen und die Naturwiſſenſchaft, entweder gänzlich aus, wie das mit den neueren Sprachen zumeiſt der Fall iſt, oder beſchränkt ihre Thätigkeit darin auf das knappſte Maß, wie es durch den Geſammtplan der Schule und durch das Lebensalter der Schüler eben geboten iſt.

Wir müſſen uns alſo an das höhere Schulweſen wenden. Hier aber bedarf es zuvörderſt der Verſtändigung über einen Grundſatz von eingreifendſter Bedeutung. Niemand wird beſtreiten, daß das Lehr⸗ und Bildungsziel jeder Schule erſt auf der oberſten Stufe derſelben ſeinen eigent⸗ lichen Ausdruck findet. Der Lehrplan iſt ein kunſtvoller Aufbau, der eben nur als Ganzes ſeine Aufgabe erfüllt. Die Aufeinanderfolge der Lehrobjekte, die Vertheilung von Lehrſtoff und Lehrzeit iſt