Aufsatz 
Die Schule und die Familie
Entstehung
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irren, wenn ſie ihre beiderſeitigen Anſchauungen und Erfahrungen öfter austauſchend ergänzten und berichtigten. Die unterrichtliche Arbeit der Schule würde wirkſamer ſein, wenn die Eltern Lehrinhalt und Lehrweiſe der Anſtalt, welcher ſie ihre Kinder anvertrauen, genau kennen zu lernen, ſich mit ihren Arbeits⸗ und Ordnungseinrichtungen recht gründlich bekannt zu machen, wenn ſie ins⸗ beſondere mit dem Klaſſenlehrer der betreffenden Schulklaſſe ſich in möglichſt lebhaften Rapport zu ſetzen ſuchten.

Wenn das nun aber in der Regel nicht geſchieht und nur ſehr ſelten in der Weiſe und Ausdehnung geſchieht, wie es im Intereſſe aller Betheiligten zu wünſchen wäre, wenn die Familie ſich im ganzen der Schule fern ſtellt und fern hält, ſo muß man zur Erklärung ſo ſeltſamer Erſcheinung allerdings noch jenes ſchon früher miterwähnte zweite Hindernis heranziehen, das freilich bei ſo wichtiger Angelegenheit nicht ſo wirkſam ſein ſollte, das es aber leider in hohem Grade iſt: es iſt der Mangel an Zeit. Habe ich mit der früheren Behauptung Recht gehabt, daß es den Familien heutzutage häufig an Zeit zu ſorglicher Erfüllung der Erziehungspflicht überhaupt fehlt, ſo wird ſich ſo ziemlich von ſelbſt verſtehen, daß es erſt recht an Zeit fehlt zur Pflege des Zuſam⸗ menhanges mit der Schule. Es wird der Schule von vornherein durch jenen Mangel mehr zugeſchoben, als ſie leiſten kann: um ſo mehr muß ſie ihrerſeits alles aufbieten, nicht jener Hilfe zu entbehren, die in der lebendigen Verbindung mit der Familie liegt. Und dieſe herzuſtellen, ſollte es auch der Familie, wie ſehr auch berufliche und häusliche Thätigkeit die Kraft des Vaters und der Mutter in Anſpruch nehmen möge, in der That nicht an Luſt und nicht an Zeit fehlen. Wer jemals an Anſtalten gearbeitet hat, wo ſolches Zuſammenſtehen und Zuſammengehen alte Sitte und Übung war, wo Väter und Mütter mit den Lehrern ihrer Kinder in regelmäßiger direkter Verbindung ſtanden und ſich außerhalb der Schulzeit zu finden wußten, wo in dieſem Zuſammenwirken die erzieheriſche Kraft beider Theile wuchs, und ein Vertrauen erworben werden konnte, das eine feſte Baſis hatte und nicht mehr oder minder bloß Gunſt und Stimmung war: der darf wohl mit Recht ſein Sehnen und Streben darauf richten, daß überall, auch bei uns, ſich ſolcher engere Verband der beiden Hauptpole des Jugendlebens entwickeln möge von der dankbar begrüßten Ausnahme zur dauernd wohlthätigen Regel.

Auch wenn nicht dieſes Jahr noch mehr als ſonſt ſchon die Menge der ſich um die Oſterzeit concentrierenden Schulgeſchäfte mich mahnte, mich auf eine neue Anregung einer alten Wahrheit zu beſchränken, ſo würde mich ſchon der andere Grund zu dieſer Beſchränkung beſtimmen, daß ich nicht zu verletzen, ſondern zu heilen, nicht zurückzuſtoßen, ſondern zu gewinnen wünſche. Ins Detail dieſer Frage einzugehen, iſt aber kaum möglich, ohne alle die konkreten Einzelnheiten heranzuziehen, die vielleicht wieder manches Misverſtändnis herbeiführen würden. Das fühlt ja doch jeder, daß die Schule nicht aus Laune oder aus ſonſtiger Schwäche ſolche Klagen und Wünſche ausſpricht, ſondern daß ſie das aus Üüberzeugung und zwar auf beſtimmten Erfahrungen ruhender überzeugung thut. Aber ſoll denn nur von der Familie eine Mehrleiſtung gefordert werden und nicht von der Schule? Gewiß auch von dieſer; denn ſie hat ihren Antheil an der Schuld. Bleibt doch auch ſie nicht frei von menſchlicher Schwäche und nicht verſchont von dem, was man Geiſt der Zeit zu nennen pflegt. Auch jene oben erwähnten Hinderniſſe, welche die Erziehungsarbeit der Familie hemmen, bleiben der Schule nicht fern. Auch ihr fehlt es oft an dem nöthigen erzieheriſchen, die Kinder nicht lediglich